Geschichte und Profil

Es war ein internes Mitteilungsblatt der damals noch Pfarrergebets-Bruderschaft genannten PGB, aus denen die Zeitschrift vor 50 Jahren hervorging: die Brüderlichen Handreichungen. Zunächst erschienen die Hefte vierteljährlich, dann sechsmal im Jahr, mit zunächst 48, später mit bis zu 64 Seiten, gelegentlich auch als Doppelheft. Die Zeitschrift gehört mit einer Auflage von derzeit rund 2700 Exemplaren pro Heft schon lange zu den meistgedruckten theologischen Fachzeitschriften im deutschsprachigen Raum. Die Universitätsbibliothek Greifswald hält sie in digitaler Form im Internet vor, für Abonnenten bis zur aktuellen Nummer. Im Hauptteil erscheinen Aufsätze zu allen Themen der Theologie, auch im Gespräch mit den Nachbardisziplinen. Berichte, Kontroversen, Quellen sind weitere Rubriken. Unter „Biblische Besinnung“ kommt in jedem Heft eine aktuelle Predigt oder Bibelarbeit zum Abdruck. Nicht zuletzt wegen ihres umfangreichen Rezensionsteils werden die ThBeitr sehr geschätzt: Jährlich erscheinen ca. 60 Rezensionen aus allen Fachgebieten.

Herausgegeben werden die ThBeitr im Auftrag des PGB, heute: Pfarrer- und Pfarrerinnen-Gebetsbund. Der PGB finanziert, neben den Personal- und Sachkosten, auch kostenlose und stark reduzierte Abonnements für Theologinnen und Theologen in der Ausbildung.

Zur Gründung der ThBeitr kam es, als sich Ende der 60er Jahre theologisch arbeitende Pfarrer und Hochschullehrer, denen an einer biblisch rückgebundenen und erneuerten Theologie lag, und ein Verlag mit freikirchlichem Hintergrund, der von der Bedeutung theologischer Arbeit für eine lebendige Gemeinde überzeugt war, zusammenfanden und gemeinsam das Wagnis einer theologischen Zeitschrift eingingen. Prägende Persönlichkeiten des Anfangs waren Otto Rodenberg und Erich Schnepel für den PGB, Martin Hengel, Otto Michel und Klaus Haacker für den Bereich der Hochschule sowie Rolf Brockhaus und später sein Sohn Ulrich Brockhaus als Verleger. Von Anfang an war es ein Anliegen, Brücken zu bauen zwischen theologischer Wissenschaft und pfarramtlicher Praxis. Zum bis heute durchgehaltenen Programm der Zeitschrift gehört es aufzuzeigen, dass und wie persönlicher Glaube und wissenschaftliche Arbeit, Pietas und Reflexion aufs Engste zusammen gehören und nur zum Schaden von akademischer Lehre und praktischem Amt auseinanderfallen. So suchte und fand man in Kirche und Universität Persönlichkeiten, die gegenüber dem an den theologischen Fakultäten als Mainstream vertretenen programmatischen praxisfernen Wissenschaftsbegriff einen Kontrapunkt setzten. In theologischen Fortbildungsveranstaltungen (u.a. in den mit der Zeitschrift kooperierenden Ferienseminaren für den theologischen Nachwuchs) und als Autoren ließen sie sich in die informelle, ihren Kern im Beirat findende Arbeits- und Weggemeinschaft einladen. Gegenstände theologischer Reflexion sind nach wie vor die Theologie und Kirche bewegenden jeweiligen Themen und Problemfelder, v.a.:

-die hermeneutische Frage, vor allem die Auseinandersetzung mit dem Entmythologisierungsprogramm Rudolf Bultmanns, das Gespräch mit dem Judentum (Otto Michel, Helgo Lindner),

-eine sprachphilosophisch fundierte Kritik an einer religionskritischen Aufklärung (Hermann Hafner, Heinzpeter Hempelmann),

-eine biblische Theologie, die die beiden Testamente verbindet (Klaus Haacker, Thomas Pola, Christoph Rösel, Benjamin Schließer)

-eine durch überzogene und destruktive historische Kritik provozierte Arbeit an der Frage der historischen Zuverlässigkeit biblischer Überlieferungen (Rainer Riesner, Hanna Stettler)

-eine Theologie der missionarischen Gemeindeentwicklung in der und für die Volkskirche (Theo Sorg, Michael Herbst, Martin Reppenhagen, Thomas Schlegel)

-eine sehr früh einsetzende Reflexion auf eine Theologie der Religionen und ihr Verhältnis zueinander (Helmut Burkhardt, Herwig Wagner, Johannes Triebel, Friedmann Eißler)

-immer neue Impulse aus der Kirchengeschichte für das Gespräch zwischen (Neu-)Pietismus und Kirche, die – nur zum Schaden beider Partner – getrennte Wege gehen können (Gerhard Ruhbach, Jörg Ohlemacher, Reiner Braun)

-aktuelle innerkirchliche Debatten (Clemens Hägele, Annegret Puttkammer).

Kurz nach Eintritt in den Ruhestand gibt Heinzpeter Hempelmann seine Aufgabe als verantwortlicher Herausgeber der Zeitschrift zurück. Er war von 1983 bis 1988 zunächst Redakteur, dann Schriftleiter des Organs. 1988 wurde er in den Beirat der Zeitschrift berufen. 1997 trat er die Nachfolge von Theo Sorg als Hauptherausgeber an und nahm die Verantwortung für die Zeitschrift zunächst gemeinsam mit Klaus Haacker und Gerhard Hennig wahr, später mit Michael Herbst und seit 2018 mit Reiner Braun. Hempelmann wird als Mitherausgeber im Beirat weiterhin an den ThBeitr mitarbeiten.

Sein Nachfolger wird der Praktische Theologe und Dekan von Karlsruhe-Land Dr. Martin Reppenhagen, der u. a. lange Jahre stellvertretender Direktor des Instituts zur Erforschung von Gemeindeentwicklung und Evangelisation (IEEG) war. Er verantwortet die Zeitschrift ab Heft 3/2020 zusammen mit dem Kirchenhistoriker und Pfarrer Dr. Reiner Braun.


Frühere Verantwortliche

Liste ist im aufbau