Aktuelles Heft 3*:

Schwerpunkt: WUNDER

Rainer Riesner zum 70. Geburtstag

 

 

BIBLISCHE BESINNUNG 

Thomas Pola:
Erkenntnis "von unten".

Predigt über Prov 1,1-7 (135-139)

 

AD PERSONAM

 

Clemens Hägele:
„Bei Riesner in Dortmund“. (140–142)

 

 Reiner Braun/Heinzpeter Hempelmann:
Wissen, wer Jesus ist. Zum 100. Geburtstag von Otto Rodenberg. (143–156)

Aufsätze

 

Detlef Häußer:
Jesusüberlieferung im 2. Korintherbrief. (157–168)

The Second Epistle to the Corinthians plays no significant role in the controversial discussions about the transmission of Jesus tradition in (the letters of) Paul. But traces of Jesus tradition can also be found in this letter. They originate from different contexts like the Sermon on the Mount, the commissioning of the apostles and the passion narrative. Paul applies them to various topics (ethics, spirituality), proving that Jesus tradition is a formative factor in the theology of the apostle.

 

Hanna Stettler:
„Mehr als Elia“. Zum religionsgeschichtlichen Hintergrund der Wunder Jesu. (169–185)

In recent research a distinction has been made between the healing miracles of Jesus and his so-called nature miracles. Whereas the former are considered as possible (be it as real miracles or as psycho-somatic phenomena), the latter are said to be post-Easter enhancements of normal events in the life of Jesus, such as eating or going in a boat together. R. Zimmermann has argued that this distinction is untenable on literary grounds: Both kinds of stories are presented as factual stories, claiming to report real events in the life of Jesus. The present paper argues that that distinction is also untenable because both kinds of stories share the same conceptual background. They all present Jesus as the one who performed miracles like the miracles of Moses and Elijah/Elisha, but at the same time superseded them. As the Son of God he brought about the kingdom of God in his healing miracles and restored the rule of God over his creation through his nature miracles.

 

Peter C. Hägele:
Sind Wunder aus naturwissenschaftlicher Sicht denkbar? (186–199)

Can scientists believe in miracles? There are indeed scientific explanations for some miracles. Such considerations may be satisfying at first but leave many questions open.

It is more fruitful to look at the changes from classical to modern science. New methodological insights into the nature of laws, chance and also boundary conditions reveal that there are no scientific arguments against miracles. It no longer makes sense to speak of miracles breaking the laws of nature. God can use laws as well as chance to act in our world and surprise us with miracles. This preliminary study clears the way in order to discuss the occurrence of miracles and their meaning.

 

Heinzpeter Hempelmann:
Wunder als Zeichen. Acht Thesen aus wissenschaftstheoretischer Perspektive. (200–216)

This article looks at “miracles” as an exemplary interface between science and theology. Fundamental questions from science and scientific theory are tied together in the reflection of the miracle topic: Are miracles a breach of the laws of nature? How do we think about reality, as a closed or as an open system? How do we deal with phenomena that do not fit our experience and theories? How do scientists deal with the question of God? Are they aware of the limits of knowledge that modern science has set itself?

 

Klaus Haacker:
Paulus als Anstands-Apostel (1Kor 11,2–16). (217–220)

Paul argues for the use of a hairnet, but he misses the appropriate term in V.10 due to a translation error from the Hebrew language.

Berichte

Hanna Stettler:
Ertrag eines ganzen Forscherlebens: Rainer Riesner über den Messias Jesus. (221–224)

 

Friedmann Eißler:
Jesusglaube in frühislamischen Schriften. Lehren der Bergpredigt für den Dialog aus islamischer Sicht. (225–226)

 

Bücher (227–228)

 

 

EDITORIAL

 

Dieses Heft hat zwei Schwerpunkte, die sich nicht trennen lassen. Sämtliche Beiträge sind Rainer Riesner gewidmet. Wir gratulieren ihm auf diese Weise ganz herzlich zu seinem 70. Geburtstag am 2. Juni 2020! Wir bedanken uns mit diesem Heft für seine inzwischen viereinhalb Jahrzehnte währende und – wie schon das Register der ThBeitr zeigt – substantielle Mitarbeit an dieser Zeitschrift, die er durch seine vor allem historischen Artikel zum Neuen Testament ganz wesentlich mitgeprägt hat (ein erster kleinerer Aufsatz zum Thema Geschichtsschreibung aus dem Jahr 1975 lässt bereits ein Lebensthema anklingen). Freunde, Schüler und Weggefährten nehmen Anliegen und Themen Riesners auf.

Der inhaltliche Schwerpunkt des Heftes liegt auf der Wunderfrage, die ein zentrales Thema Riesners darstellt: „Ohne die Wunder ist Jesus nicht der Christus“, so beendet der Jubilar in seinem 2019 erschienen opus magnum „Messias Jesus. Seine Geschichte, seine Botschaft und seine Überlieferung“ den Exkurs zur Wunderfrage. Hanna Stettler stellt die Ergebnisse des Bandes im Detail vor, mit dem Riesner an seine in mehreren Auflagen erschienene Dissertation „Jesus als Lehrer“ (1980, 3. Aufl. 1988!) anknüpft und seine über Jahrzehnte fortgesetzten Studien bündelt. So hilfreich die Lektüre des Buchberichts ist, so sehr reizt er zum Selberlesen. Stettler, dankbare Schülerin und Tübinger Kollegin Rainer Riesners, nimmt mit ihrem Aufsatz zum religionsgeschichtlichen Hintergrund der Wunder Jesu noch einen weiteren Schwerpunkt der Debatte in den Blick. Sie macht plausibel, dass sich gerade die Wunderberichte der Synoptiker ganz anders theologisch und historisch erschließen, wenn man sie vor einem alttestamentlichen Hintergrund versteht.

Peter Hägele – Physiker und Dialogpartner im Gespräch Theologie und Naturwissenschaft – fragt, ob Wunder aus naturwissenschaftlicher Sicht denkbar sind, und zeigt den Wandel im naturwissenschaftlichen Denken auf. Von der klassischen zur modernen Physik hat sich das Denken über Kausalität fundamental geändert. Ein grundsätzlicher Einspruch von naturwissenschaftlicher Seite ist nicht mehr gegeben.

Den Ball hat Heinzpeter Hempelmann gerne aufgenommen und zeigt, wie sich aus wissenschaftstheoretischer Perspektive im Wunderbegriff die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis und nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Gottesfrage bündeln.

Von prägender Bedeutung für den Weg von Riesner ist die theologische Arbeit im PGB gewesen. Diese wurde ab den 1960er Jahren wiederum ganz wesentlich durch Otto Rodenberg geprägt. Der erste Schriftleiter dieser Zeitschrift wäre im August 100 Jahre alt geworden. Reiner Braun und Heinzpeter Hempelmann stellen aus diesem Anlass Vita, Werk und Wirkung dieser in ihrer Bedeutung oft nicht ausreichend gewürdigten Persönlichkeit vor. Sie zitieren dabei auch Aussagen Rainer Riesners, der nun selber zu einer Persönlichkeit kirchlicher Zeitgeschichte geworden ist.

Den Menschen Rainer Riesner bringt der Aufsatz seines Schülers und Freundes Clemens Hägele zu Gesicht. Thomas Pola ehrt den Freund und langjährigen Dortmunder Kollegen mit einer Reflexion über hebräisch-biblisches Denken und wie man von ihm profitieren, ja von ihm lernen kann. In anschaulicher Weise zeigt Pola, dass für das AT und NT Glaube und Vernunft keine Gegensätze sind und wie alttestamentliche Weisheit Weltwissen zu integrieren vermag.

Zwei weitere Kollegen und Freunde des Jubilars nehmen je auf ihre Weise Spezifika der Arbeit von Riesner auf.

Klaus Haacker zeigt, wie sorgfältige exegetische Arbeit helfen kann, theologische Fragen zu beantworten, die bis heute beschäftigen. Er bietet einen Vorschlag für ein plausibles Verständnis für „die Macht auf dem Haupt“ nach 1. Korinther 10.

Detlef Häußer fragt, inwiefern sich bei Paulus, speziell im 2. Korintherbrief Spuren von Jesus-Traditionen finden lassen.

Schließlich wirft Friedmann Eißler, ebenfalls Beiratsmitglied dieser Zeitschrift, einen interessanten Blick über den Tellerrand, wenn er die Frage diskutiert: „Glauben Muslime an Jesus?“

Wir hoffen, dies ist ein Geburtstagsgeschenk, von dem alle unsere Leserinnen und Leser sehr profitieren werden!

Reiner Braun und Heinzpeter Hempelmann

 

Und nun noch ein persönliches Wort. Seit 1983 habe ich bei den ThBeitr in verschiedenen Funktionen mitgearbeitet: als Redakteur, dann als Schriftleiter, als Mitherausgeber im Beirat und seit 1997 als verantwortlicher Herausgeber. Letztes Jahr bin ich 65 Jahre alt geworden. Nach einer Zeit des Übergangs, in der ich die Zeitschrift zusammen mit Reiner Braun und meinem Nachfolger Martin Reppenhagen herausgegeben habe, endet mit diesem Heft meine presserechtliche Verantwortung. Ich gehe den ThBeitr aber – wie es so schön heißt – nicht verloren. Auch in der nachberuflichen Lebensphase will ich mich – nun in der Funktion als Beirat und natürlich als Autor – einbringen. Was mir für diese Zeitschrift wichtig geworden ist, dokumentiert sich exemplarisch auch in diesem Heft:

uder Ausgangspunkt bei der Kondeszendenz des dreieinigen Gottes, konkret bei dem, der von sich sagt: „Wer mich sieht, hat den Vater gesehen“ (Joh 12,45; 14,9);

• das Lernen von der hebräisch-biblischen Sprachgestalt, wie sie unter der Offenbarung des lebendigen Gottes Gestalt gewonnen hat;

uder Wirklichkeitsbezug und d. h. ein überprüfbarer Gehalt theologischer Aussagen, der ihnen Relevanz verleiht, vorzugsweise festzumachen an der historischen Wahrheitsfrage;

uein interdisziplinärer Blick, der einerseits theologische Verengungen aufbricht, andererseits Theologie für andere Disziplinen fruchtbar werden lässt;

ueine zum Gespräch fähige und bereite Theologie, die die kritische Rückfrage durch andere nicht scheut, aber ihr unverwechselbares eigenes Wort zu sagen hat;

ueine Theologie, die Theorie für die Praxis ist, weil sie sich ihre Fragen und Probleme, Herausforderungen aus der Praxis, aus dem Leben geben lässt;

• eine Theologie also, die kirchliche Zwecke nicht verachtet und für die geistliches Leben der notwendige Wurzelboden ist; die sich einer Reduktion von Theologien als subjektiven Vorstellungszusammenhängen verweigert und die sich nicht durch subjektphilosophische Vorgaben in ihrem Aussagewillen beschneiden lässt;

ueine theologische Arbeit also, der die verschiedenen Dimensionen von Gotteserkenntnis im Sinne des hebräischen jd` zusammenfallen: die kognitive und die kontaktive, die konstative und die konstitutive: in der Begegnung mit dem Gott, den wir erkennen können, der sich uns aber nur im Gegenüber erschließt; dessen Spuren wir in Natur und Geschichte erkennen können, weil wir zuvor von ihm selbst erkannt worden sind (Gal 4,9).

Heinzpeter Hempelmann


Heft 2 - Schwerpunkt: Genderfragen

BIBLISCHE BESINNUNG

 

Reiner Braun: Wer bin ich? Mann oder Frau oder was? Predigt zu 1. Mose 1,27 – Matthäus 22,28–30 – Galater 3,27f – Psalm 139.

 

 

AUFSÄTZE

 

Heinzpeter Hempelmann: Gender-Mainstreaming und Kirche. Eine kritische Sichtung in konstruktiver Absicht.

The author deals with the question what the gender mainstreaming concept (= GM), which is becoming more and more dominant in society and politics, means for the church and for congregations. The starting point of the essay is not a definition of GM, an attempt which always remains unsatisfactory. The author rather focuses on GM's matters of interest. He does not offer a critique from an external point of view but concentrates on GM's concerns and takes them as criteria by which its performance needs to be evaluated. The topics discussed include anthropological, scientific, linguistic-philosophical and ideology-critical points of view. The aim of the essay is not a generalized destructive criticism, but a constructive assessment which asks: What can the church learn from GM? And how, on the other hand, could GM benefit from theological criticism and church practice?

 

Thomas Pola : Am Anfang: Das Ziel! Zum Hauptstrom der Gender-Theorie im Lichte von Gen 1,27.28a (P).

Gen 1:27b (“male and female created he them”) sheds light on the mainline of the Gender ideology as represented by Judith Butler. As the Priestly creation account reflects instances of the eschatological prophecy in the OT which became fundamental beliefs in the Early Judaism and in the New Testament (Marc 12:18–27) the intention of P is more eschatological than protological. Although the angels seem to be divided in sexes (according to ShirR Cant 2:7) there is no death and no multiplying among them (PesR 43 [179b]; BerR 8 and 14). The divine commandment to be fruitful and to multiply (Gen 1:28a) was fulfilled by the emergence of the benê Yisrāʾel in Ex 1:7 (P). Consequently Gen 1:27b aims at the eschatological New Man who is associated in consequence of the Priestly atonement theology (Ex 28:45–46; cf. Ez 37). Those concerned with Gender problems in the present time are invited to identify themselves with the eschatological expectations of P and the New Testament.

 

Beate Schütz: „Aufstiegslieder“. Eine traumatologische Lesung der Wallfahrtspsalmen.

In recent years the subject of trauma, its effects and ways of coping has found its way into theological studies as a new hermeneutical key to notoriously “difficult” passages. This has also led to the discovery of a variety of biblical texts as resources for dealing with the consequences of traumatic experiences. Using insights from trauma therapy the author reads the small group of Psalms 120–134, the so-called Psalms of Ascent, as a way of escape, healing and new orientation after a profound experience of near-death. After presenting several striking resonances between the psalms and different aspects of traumatology, she offers some proposals as to how the church might become a healing environment for survivors.

 

 

DOKUMENTATION

 

Christian Möller: Das Hohelied des Trostes. Predigt zum 100. Geburtstag von Rudolf Bohren über 2. Korinther 1, 3f.

 

 

BÜCHER

 

 

EDITORIAL

 

Ein Heft zur Gender-Frage! Sars-Cov2 relativiert manches. Vieles tritt vorübergehend zurück in seiner Bedeutung. Die Frage, wer der Mensch ist und eben auch wie wir unsere Geschlechtlichkeit verstehen, bleibt fundamental. Theologische Arbeit geht darum auch in den ThBeitr weiter.

Gender-Mainstreaming (=GM) ist – nach „Homosexualität“ – das neue Feld der Auseinandersetzung. Es geht um das leitende Menschenbild in Gesellschaften, die sich als liberal und in der Tradition der Aufklärung verstehen. In der Debatte um Homosexualität ging es zunächst um den Kampf gegen Diskriminierung, um die Gleichwertigkeit eines zweiten, homosexuellen neben dem heterosexuellen Geschlecht. GM verschärft diese Diskussion. Es fragt viel grundsätzlicher: (1) Gibt es neben Homo- und Heterosexualität nicht noch viele weitere Geschlechter, die auch nach Anerkennung verlangen (vgl. das eingebürgerte Kürzel LGBTQ)? (2) Muß nicht der ganze Geschlechter-Essentialismus dekonstruiert, ja destruiert werden? Gender-Forschung versucht zu zeigen, dass Geschlechter ganz und gar als erlernte Rollen zu begreifen sind.

GM-Positionen haben bereits in die Bildungspolitik bis hin zu europäischer Gesetzgebung Eingang gefunden. Auch diese aus dem postmateriellen Milieu stammende sozialemanzipative Bewegung speist sich aus der Erfahrung langer, bitterer und teilweise gewaltsamer Unterdrückung der Betroffenen. Und auch wenn sich radikale Gender-Positionen auf einen postmodernen Individualismus und Konstruktivismus zurückfahren lassen, kann die Auseinandersetzung mit GM dabei nicht stehen bleiben. Eine biblisch-theologisch orientierte Anthropologie wird den Wunsch, endlich wahrgenommen zu werden, nicht übergehen können. Auch wenn die Zahlen etwa der Inter- und Transsexuellen relativ klein sind, sind sie absolut gesehen doch beachtlich.

Haben wir nur die Wahl zwischen der Position einer Polarität der Geschlechter, die alles, was nicht „Mann“ oder „Frau“ ist, ausschließt, und einer uferlosen Pluralität der Geschlechter, die nicht nur am biblischen Zeugnis vom Menschen als Mann und Frau vorbeigeht, sondern auch an grundlegenden Befunden von Biologie, Psychologie, Neurologie und Kulturanthropologie?

In seiner Predigt „Wer bin ich? Mann oder Frau oder was?“ entfaltet Reiner Braun behutsam, praxisbezogen und konkret seelsorgerliche Hilfen. – Heinzpeter Hempelmann unterzieht Theorieelemente von GM einer kritischen Prüfung in konstruktiver Absicht. Überzeugungen und Anliegen von GM werden nicht nur kritisch analysiert. Sie werden auch daraufhin befragt, was Kirche von GM lernen und wo umgekehrt diese Bewegung von Kirche profitieren kann. – Thomas Pola liefert ein Kapitel biblischer Anthropologie der Geschlechter. Er fragt, wie Gen 1,27f im Licht der Aufhebung der Geschlechtlichkeit im Eschaton (vgl. Mk 12,18ff; Gal 3,27ff) eschatologisch zu verstehen ist.

Beate Schütz liest die Aufstiegspsalmen als Weg aus der Tiefe des Traumas zurück ins Leben und gibt der AT-Exegese aber auch der praktischen Theologie interessante interdisziplinäre Impulse. Wie biblische Texte sich helfend und heilend auswirken können, angesichts von Sars-Cov2, entfaltet auch die Predigt von Christian Möller.

Bleiben Sie behütet und seien Sie getröstet, wünschen Ihnen die Herausgeber

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun


Symposion zum Jubiläum

Die Dokumentation der Beiträge zum Symposion ist im Lauf des aktuellen Jahrgangs geplant.


Heft 1 (2020)

Biblische Besinnung

 

 

Michael Herbst: Jakobus und Paulus – werden die noch Freunde? Predigt zu Jakobus 2,14–26

 

Aufsätze

 

Ralf-Thomas Klein Analytische Theologie – Irrweg oder Fortschritt?

 

Analytic theology is the attempt to discuss matters of systematic theology with the means of analytic philosophy. In recent years this movement gained prominence in the anglo-saxon world but it is also growing in German speaking countries. The strength of this theological approach lies in its focus on the precise use of language and its transparent use of premises. This encourages rational discourse and new insights into the field. Critics of analytic theology say that it practices neo-scholastic quibbling or, even worse, idolatry. This article intends to show that these allegations are of no avail. However, the warning that philosophy must not overtake theology is to be taken seriously, though it referes to the misuse of philosophy and not its proper use. Hence, I welcome the development of analytic theology and plead for its careful use within the realm of theology. 

 

 

 

Daniel Zimmermann Entschieden in Gott. Die Lehre vom unfreien Willen als Implikat der evangelischen sola gratia-Lehre.

 

The shibboleth of Lutheran theology is the doctrine of unfree will: within it culminate hamartiology and soteriology. To put it briefly, the servum arbitrium is the anthropological correlate to the Reformation sola gratia. The thirteen theses presented here aim to substantiate this central doctrine in a concentrated and comprehensible manner

 

 

Klaus Haacker War das Grab Jesu wirklich leer?

 

The article questions the claim of some scholars that the body of Jesus was not buried in a grave which the disciples of Jesus knew and could inspect. Instead they argue that Jesus was buried by his enemies in a grave of “shame”. On the other hand it underlines – contrary to a popular term – that the tomb was not “empty” and points out that according to John 20:6-8 the graveclothes of Jesus where found in a condition which excluded the idea that the body of Jesus had been removed by human hands.   

 

 

Quelle

Karl Heim Wer kann Pfarrer werden? Eine Provokation.

  

Bücher

 

EDITORIAL

In diesem Heft erwarten Sie klassische und zentrale Fragen der Theologie in aktueller Zuspitzung.

Die Predigt stellt sich der alten, aber unverändert aktuellen Streitfrage: Glaube oder Werke; Glaube ohne Werke oder Glaube unbedingt mit Werken; biblisch-theologisch oft verhandelt als „Paulus oder Jakobus“? Wie Michael Herbst im philippinischen Anschluss an Melanchthon votiert und welche Lösung er anbietet – lesen Sie selbst!

Der kleine, aber feine Aufsatz über „analytische Theologie“ von Thomas Klein führt zunächst in eine philosophische Richtung ein, die im angelsächsischen Raum zum Mainstream gehört und dominant geworden ist, von der deutschen Theologie allerdings – zu ihrem Schaden – bisher kaum registriert wurde. Der Beitrag zeigt exemplarisch, wie sich Theologie durch Philosophie fruchtbar herausfordern lassen, ja von ihr lernen kann und wo sie sich zu Einspruch und Widerspruch herausgefordert sehen muss, nämlich da, wo Menschen in der Gefahr stehen, sich und ihre Gedankenkonstrukte zu verabsolutieren und damit die Hörfähigkeit – auch gegenüber Gott einzubüßen.

Auch der dritte Beitrag nimmt ein klassisches Thema auf: Daniel Zimmermann kehrt in kritischem Gegenüber zu üblich gewordenen neuprotestantischen Selbstbespiegelungsund Vergewisserungstheorien das Gefälle von Gottes Reden und menschlichem Hören vom Kopf auf die Füße. Er rekonstruiert dazu die zentralen Topoi der Auseinandersetzung zwischen dem humanistischen Ansatz des Erasmus und der Lehre vom geknechteten Willen bei Martin Luther. Dabei versucht er eine interessante Rekonstruktion der Korrespondenz von anthropologischer Dimension (unfreier Wille) und theologischer Dimension (sola gratia). Wer Gott ist und was wir sind, schließlich wie diese Welt beschaffen ist, das erfahren wir nach diesem alten, aber nicht veralteten Zugang nicht, wenn wir uns selbst erkennen, sondern darauf sehen, wie sich Gott in dem gekreuzigten Christus offenbart hat.

Klaus Haacker widmet sich in seinem Aufsatz einer Frage, die so alt ist wie das Christentum selbst, ja ohne die es christlichen Glauben gar nicht gäbe: War das Grab Jesu wirklich leer? Er setzt sich mit neueren Hypothesen auseinander und plausibilisiert die historische Zuverlässigkeit der Nachricht vom leeren Grab, die den Glauben nicht beweist, ohne die er aber auch nicht denkbar ist – aller den Glauben zur Religion spiritualisierenden Kerygmatisierung zum Trotz.

Auch die Frage, wer sich für ein kirchliches Amt eignet, geht bis ins Neue Testament zurück. Die Antwort, die Karl Heim vor rund 90 Jahren formuliert hat, lohnt heute noch die Lektüre, gerade weil sie provoziert – keineswegs nur Pfarrer, Pfarrerinnen und alle, die sich auf dieses Amt vorbereiten.

Acht Rezensionen – zur Generation Lobpreis, zu Luthers Aktualität, zur Kirchensoziologie, zu Theologie und Exegese des Alten Testaments, zum Hebräerbrief und zur Neuauflage des ELThG – runden das Heft ab und laden selbst unsere eiligen Leser zum Blättern und Verweilen ein. 

 

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun


Heft 5/6 (2019)

Schwerpunktthema

 „Juden – Christen – Judenchristen“

 

 

Biblische Besinnung

Reiner Braun: Gott ist Jude geworden. Predigt am Israel-Sonntag zu Lk 2,1-21

 

Aufsätze

Klaus Haacker: Sind die Passionsberichte der Evangelien antijüdisch tendenziös?

The passion narratives of the gospels have been widely abused as a justification of hatred and violence against Jews and Judaism. As a noble (!) reaction scholars have tried to exonerate the (few!) Jewish enemies of Jesus by the assumption that the authors of the gospels tried to exonerate Pilate. But why should they? The present article is a proposal to understand the passion narratives in the light of texts about the responsibility for the suffering of Jesus outside the gospels. Its result is that as a rule accusations are uttered in direct reproach of people who had been actively involved as a call for repentance. Narrative statements in other and later situations are the farer away the more lenient, except in 1Thess 2,15 for unique reasons. Thus, the passion narratives turn out to be addressed to a Jewish public in the early years of the Jesus movement in the Jewish homeland. They are a heritage to be used with caution by later gentile Christians.

 

Rainer Riesner: Judenchristen in Jerusalem – noch bis zum 4. Jahrhundert

In the context of the Jewish-Roman war (6670 AD) there occurred a split within Palestinian Jewish Christianity. The Nazarenes continued the genuine tradition of the early Jerusalem church, which was run by relatives of Jesus until the second century AD. Because the Nazarenes were christologically orthodox, they could be absorbed into the Byzantine church in the 4th/5th century, to which they imparted important liturgical and exegetical traditions. The christologically heretical Ebionites lived in the border area of Syria with Arabia, some until the 12th century. According to some researchers, they influenced Mohammed and early Islam.

 

Wolfgang E. Heinrichs: Der Protestantismus im Deutschen Kaiserreich vor der „Judenfrage“

The Protestant view of Judaism and the Jewish people is ambivalent. This is an expression of a dichotomy related to modernity as such. Protestantism can draw the image of "the Jew" both as a grimace and as a noble face, seeing "the Jew" as both a destroyer and a saviour of mankind. Although there are Protestant positions that more strongly emphasize the negative image of the Jewish people, particularly in times of crisis, attitudes which exclusively express an anti-Jewish perspective are rare. These attitudes are only found in the racial anti-Semitism of German Christianity. However, three fateful developments in the time of the German Empire remain influential in shaping the Protestant image of the Jewish people even today: Jewishness was increasingly defined racially, replacing the religious definition even in the ecclesiastical sphere; the fixation on the Jewish people as an independent nation, whereby nation is understood as a blood-based, racially founded unity; and finally following from this: the axiom that Judaism and Germanism are two different, largely incompatible elements.

 

Ulrich Laepple: Judenchristen, Messianische Juden und die EKD im christlich-jüdischen Gespräch von 1945 bis heute. Ein Überblick.

This article is about the reaction of the German Church (EKD) to the horrible experiences of the holocaust and her own silence. It has been a relatively long process to achieve a deep enough renewal of the Christian-Jewish relation after 1945. The focus of the article, however, lies in the role of Jewish Christians ( Jewish believers in Jesus as the Messiah) and how they themselves have contributed to this renewing process. The Jewish Christians of today are called "Messianic Jews" and are a worldwide movement. The author shows how the official church in Germany is dealing with them today and discusses her critical attitude towards them. The author, however, makes the plea to engage in a fruitful encounter that could bring a change to both sides.

 

Hanna Rucks: Die messianisch-jüdische Bewegung

This article deals with men and women of Jewish descent who believe in Jesus as their Messiah and establish their own congregations in order to keep their Jewish identity while expressing their faith in Jesus. Since the 19th century Hebrew Christians” – as they were called then started to form their own groups and alliances. The Hebrew Christian movement suffered a setback during the years of the Holocaust and experienced a change in the aftermath of the Six-day-war, primarily in America and in Israel. Among Hebrew Christians the maintaining of their Jewish identity became more important, so that they started to form their own congregations and identified no longer as Hebrew Christians but as Messianic Jews. After the Perestroika a great number of Russian-speaking Jews joined the movement and established new congregations. The article also describes different forms of beliefs in the Messiah within the movement as well as different convictions and attitudes to the subject of keeping the commandments.

 

Richard Harvey: Das Verhältnis zwischen messianischen Juden und der protestantischen Kirche im Vereinigten Königreich. Ein Kurzbericht.

There have been Jewish disciples of Jesus in the UK since the Norman Conquest. The Domus Conversorum offered protection to Jewish converts to Christianity but no opportunity to continue to live as Jews. The Benei Abraham (1813) and the Hebrew Christian Alliance of Great Britain (1866) prepared the way for the contemporary movement known as Messianic Judaism. There are approximately 20 Messianic fellowships and congregations in the UK and an estimated 8,000 self-identifying Jewish disciples of Jesus in mainstream Protestant and Catholic Churches, including some distinguished church leaders. Anglican and Non-Conformist Churches have met with and consulted Messianic Jews on a number of initiatives and reports. Contemporary issues of Holocaust Remembrance, combatting rising Antisemitism, and the setting of Jewish-Christian relations in a new post-supersessionist framework are increasingly calling on Messianic Jews to participate at local, national and theological level in the ongoing development of relationships between the Church and the Jewish people.

 

Dokumentation

Helgo Lindner: Christliche Selbstbesinnung im Angesicht Israels.

Annegret Puttkammer: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, Predigtvorschlag

 

Bücher

 

EDITORIAL

Als wir vor gut einem Jahr überlegt haben, ob und wie wir ein Doppelheft zum Thema „Juden-Christen-Judenchristen“ konzipieren, konnten wir noch nicht absehen, welch traurige und erschreckende Aktualität dieses Thema in diesem Herbst haben würde. Die gesammelten Beiträge, die hier als letztes Heft dieses 50. Jahrgangs mit Buchumfang vor Ihnen liegen, haben nahezu alle Antisemitismus als ausdrücklichen oder impliziten Schwerpunkt.

Rainer Riesner begibt sich in seinem Aufsatz Judenchristen in Jerusalem – noch bis zum 4. Jahrhundert auf Spurensuche und plausibilisiert, dass mit Judenchristen in Jerusalem mindestens bis zum Bar-Kochba-Aufstand zu rechnen ist, außerhalb Jerusalems mit der Existenz judenchristlicher Gruppen bis ins 5./6. Jahrhundert. Schon hier stellt sich die Frage, ob es für jesusgläubige Juden eine Alternative zur Assimilation an die heidenchristliche Kirche gab. Riesner macht deutlich, dass messianische Juden und Judenchristen nicht erst ein modernes, womöglich evangelikales und vernachlässigenswertes Phänomen sind.

Es gibt historische Identitäten, an die messianische Juden mindestens anknüpfen können und die Heidenchristen sensibilisieren können für ihren gegenwärtigen Umgang mit diesen Glaubensgeschwistern, die so schwer einzuordnen sind und die auch eine sich aufgeschlossen gebende EKD wohl am liebsten übergehen möchte:

Ulrich Laepple informiert über Judenchristen, Messianische Juden und die EKD im christlich-jüdischen Gespräch von 1945 bis heute. Er stellt den mühsamen Prozess dar, in dessen Verlauf die Evangelischen Kirchen in Deutschland nach der Katastrophe des Holocaust und anhaltender Sprachlosigkeit ein neues Verhältnis zu Israel und Judentum zu finden suchten. Der besondere Fokus liegt dabei aber auch in diesem Aufsatz auf der durch Distanzierung und Zurückhaltung gekennzeichneten Haltung gegenüber den Juden, die sich als messianisch und jesusgläubig bekennen. Laepple fordert zu einer Revision der weithin zu findenden offiziellen Linie der EKD auf.

Hanna Rucks, promoviert mit einer Arbeit über Messianische Juden, setzt breiter an und gibt in ihrem Artikel einen Überblick über die messianisch-jüdische Bewegung. Sie klärt die verschiedenen Begrifflichkeiten, die die wechselhafte Geschichte von Judenchristen, hebräischen Christen, messianischen Juden etc. spiegeln und ihre Versuche sichtbar werden lassen, eine eigene Identität neben heidenchristlicher Kirche und Judentum auszubilden.

Wolfgang Heinrichs verschafft einen Überblick über den Protestantismus im Deutschen Kaiserreich. Er will einerseits die „polymorphe Struktur deutscher Judenbilder“ differenziert darstellen und so einen Beitrag zur Antisemitismus-Forschung leisten, andererseits den Sachverhalt darstellen, dass Antisemitismus nicht allein ein „Phänomen ist, das sich bei einer verführten Minderheit nachweisen ließe“.

Historisch setzt auch Richard Harvey an, der sich als messianischen, an Jesus gläubigen Juden versteht und als einer der besten Kenner der Theologie und Strömungen messianischer Juden gilt. Es gelingt Harvey in seinem Aufsatz die Geschichte und die Existenz, die Vielfalt und die Wirkung messianischer Juden in Großbritannien exemplarisch sichtbar zu machen. Wir danken an dieser Stelle dem Tübinger Judaisten Matthias Morgenstern für seine Übersetzung des Textes!

Antisemitismus ist auch der Ausgangspunkt für die historischen Argumentationen, die Klaus Haacker in seinem Aufsatz unter der Leitfrage vorlegt: Sind die Passionsberichte der Evangelien antijüdisch tendenziös? Ausgangspunkt ist die Wirkungsgeschichte neutestamentlicher Schriften. Die Passionsgeschichten haben einem in der Antike schon vorgegebenen Antisemitismus Vorschub gegeben. Zu ihrer schrecklichen Wirkung gehören auch Pogrome gegen Juden und staatliche Verfolgung. Haacker widerlegt durch eine minutiöse Sichtung der einschlägigen Belege den als honorig anzuerkennenden historisch-kritischen Versuch, die Texte von ihrem antijüdischen Potential zu entlasten, indem man ihnen die Absicht unterstellt, Pontius Pilatus von der Schuld am Tod Jesu befreien zu wollen: Worin sollte der Sinn einer solchen Absicht gelegen haben? Haacker weist einen Weg zu einer Interpretation der belasteten Aussagen, die deren Wirkung nicht bestreitet, aber als einen innerjüdischen Diskurs verstehen lässt. Der Antijudaismus-Vorwurf erweist sich so als historisch abwegig, weil anachronistisch.

Ein Kleinod ist die im Nachlass von Helgo Lindner befindliche, hier wohl erstmalig publizierte „Christliche Selbstbesinnung im Angesicht Israels“, in dem der Judaist und Kenner des christlich-jüdischen Dialoges auf denkbar knappem Raum die Knackpunkte dieses schwierigen Verhältnisses abschreitet, die unaufgebbare Bedeutung des Alten Testamentes und der Synagoge für Kirche und Christentum begründet und Klärungen bietet. Eine echte Hilfe für alle, die Orientierung suchen und bieten wollen.

Auch dieses Heft beginnt programmatisch mit einer Predigt. Reiner Braun macht die Weihnachtsgeschichte zum Evangelium des Israel-Sonntags und legt für alles, was zu sagen ist und was in diesem Heft folgt, die theologische, in der Geschichte gegebene Grundlage: Gott ist Jude geworden – in Jesus!

In ihrem Wort zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus markiert Annegret Puttkammer den entscheidenden christlichen Einwand gegen jede Form von Antisemitismus und Antijudaismus. Sie assistiert: Der Jude Jesus ist unser Erlöser. Sie erinnert daran, wie evangelische Kirche und Frömmigkeit das in erschreckender Weise vergessen konnte und lässt das zur Mahnung für die Gegenwart werden.

Wir freuen uns, dass auch in diesem Heft noch ein wenig Platz ist für Rezensionen, die wir denen empfehlen, die angesichts solch schwieriger Fragen und schwerer Erinnerungen in unserem Heft nach leichterer, aber ebenfalls anregender Lektüre suchen.

Seien Sie Gott befohlen in dieser manchmal dunklen Zeit und gehen Sie mit IHM in das neue Jahr, das IHM gehört.

 

 

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun


Heft 4 (2019)

BIBILISCHE BESINNUNG

 

Eckhard Hagedorn:

Schöne Braut oder zermürbende Last?

Von der reifenden Liebe zur Gemeinde 

 

 

AUFSÄTZE

 

Achim Härtner:

Pionierplätze. Neue Ausdrucksformen von Kirche

in den Niederlanden – ein Vorbild für Deutschland?

When it comes to reflecting new ways of being church for our day and age, discussions and publications mostly are related to the Fresh-Expressions-of-Church-movement in Great Britain. Indeed, much can be learned and has been learned from the British friends and colleagues for our churches in the German-speaking part of Europe. This article focuses on a different, fairly unfamiliar church landscape to learn from: The pioneer places of the Protestant Church of the Netherlands (PKN). During the last seven years, the PKN

has made remarkable efforts to change the game for a long-term declining church: by re-founding itself afresh in a missional theology and by taking the risk of starting a significant number of various pioneer churches, beyond the traditional parish system.  

 

Diesen Beitrag können Sie als appetizer gerne kostenlos herunterladen!

 

Michael Herbst:

Wirb oder/und stirb?!

Die Kirche und das Marketing1

This article discusses the relationship between the church’s mandate to proclaim the gospel and marketing. Based on the question of how the good news can be brought to attention in a secularised society,in which faith is far from being self-evident but rather a fading option, it tries to find a theological understanding of marketing. Being aware of several theologically irresponsible (mis-)understandings of the discussed relationship, the author makes the case for a gospel-marketing that neither simply matches its „product“ according to the desires of its „customers“ nor openly ignores the context of its recipients. Gospel-marketing should rather aim to present Christian faith as a valid option again that challenges and changes those whose interest was sparked.

 

KONTROVERS

Andreas Scheuermann:

„Praise and Worship-Musik“ im Gottesdienst

Elf Thesen, drei präzisierende Fragen und eine Beobachtung zu einem umstrittenen kirchenmusikalischen Phänomen

 

DOKUMENTATION

Benjamin Hasselhorn:

Das Ernsthaftigkeitsdefizit in der evangelischen Kirche

Heitere Wohlfühltheologie als Holzweg

 

QUELLE

Martin Niemöller:

Was in der Angst um die Kirche wirklich trägt

 

BERICHT

Thomas Stil:

Einübung im Christentum: Was bedeutet Christus für mich?

Ein persönlicher Tagungsbericht von ‚Theologie im Kloster‘ 2019

 

BÜCHER

 

EDITORIAL

Wie steht es um die Zukunft der Kirche, ja des Christentums in Deutschland und Europa? Aktuelle Umfragen prognostizieren düstere Aussichten: fortgesetzter Mitgliederschwund und davon abhängig weitere Marginalisierung. Woher bekommen wir für das Christentum neue Perspektiven? 

Eckhard Hagedorn macht mit Blick in die Bibel auf liebevolle Weise Lust auf Gemeinde und auf von Liebe getragener Gemeindearbeit. 

Achim Hartner blickt über den Tellerrand des deutschsprachigen Raums hinaus in die Niederlande, wo die für unseren Bereich vorhergesagten Entwicklungen schon sehr viel weiter fortgeschritten sind, wo man aber gute Erfahrungen macht mit Pionierplätzen, die im Vertrauen auf Gott zu neuen und ungewöhnlichen Schritten ermutigen.

Michael Herbst lotet – im Gespräch nicht nur mit dem Apostel Paulus – aus, wie sich Kirche zu Marketingstrategien stellen sollte, um Menschen zu gewinnen, freilich nicht als Kunden, sondern als Geschwister im Glauben. Auf jeden Fall müssen die Angebote

interessant und erreichbar sein. 

Das betrifft natürlich auch die Musik: Was ist da ansprechend für die jüngere Generation? Dieses Themas nimmt sich Andreas Scheuermann an – und kommt dabei überraschenderweise vom Fußball her.

Benjamin Hasselhorn hat einen kritischen Beitrag zur Zukunft der Kirche veröffentlicht, die er auf dem Holzweg sieht, weil sie ihr Eigentliches nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit vertrete. Diesen provozierenden Beitrag dokumentieren wir gerne.

Dass die Zukunft der Kirche schon immer ein Thema war, zeigt auch ein Blick in die Kirchengeschichte des „Dritten Reiches“. Die Lösung, die Martin Niemoller aufzeigt, stimmt mit Einsichten überein, die wir in dieser Zeitschrift seit nunmehr fast 50 Jahren

verfolgen: Mühen wir uns darum, die Botschaft der Bibel für heute recht zu hören. In diesem Sinne: Erwarten wir die Zukunft der Kirche von dem, der heute redet und handelt und zum gelassenen Handeln befreit!

 

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun

 

P. S. Das nächste Heft wird ein Doppelheft und erscheint Ende November. Thematisch wird es um Christen, Juden – und Judenchristen gehen.

 

P. P. S. Kurz vor dem Drucktermin erhalten wir die erschütternde Nachricht vom Tod unseres Korrektors und PGB-Bruders Pfr. i. R. Helmut Klein. Dieses Heft hat er noch wenige Tage zuvor durchgesehen. Wir erbitten für seine Frau, seine Kinder und seine

Familie den Trost dessen, der lebendig ist und lebendig macht.

 


Heft 3 (2019)

BIBILISCHE BESINNUNG

 

Hermann Miklas:

Die Spannungen zwischen den Starken und den Schwachen in Rom – und kirchliche Entscheidungen heute

Andacht zu Römer 14,1–131 

 

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AUFSÄTZE

 

Klaus Haacker:

Die Einheit der Kirche in neutestamentlicher Sicht 

The article starts with empirical evidence for the unity of the Early Church: the Lord’s prayer,

baptism in His name, and the Lord’s supper. Then it points to the common heavenly origin of

all congregations: the Father, the Lord Jesus, and the Holy Spirit. Then it deals with tensions

which can obscure the Church’s unity: different nationalities, social levels, conflicting convictions,

rivalry among leaders and their followers. It ends with the quotation of several calls for mutual

patience and respect.

  

Heinzpeter Hempelmann:

Die Kraft des Con

Konkurrenz von Kirchen und in der Kirche als Herausforderung – Grundzüge einer alternativen Ekklesiologie 

In his analysis, the author reveals a central contradiction between theoretical ecclesiology and the lived relationship between churches and congregations. In theory, there is no competition between churches because there is only one true church, and because there is no competition with those who belong to us. In practice, however, competition exists between churches, often associated with judgments on each other, whether the other church is even considered to be a "church" or not. The author presents suggestions, how this conflicting condition of church – which is disastrous for Christian witness – can be overcome.

 

Renate Penßel:

Kirchenrechtliche Leitlinien für kirchenleitendes Handeln, dessen Übereinstimmung mit Schrift und Bekenntnis in Frage steht

This article explores the legal guidelines that bind leading activities of church authorities where the conformity of those activities with the holy scripture or the denomination of the church is questioned. It states that the lack of a consent (magnus consensus) on compliance of a certain church activity with the holy scripture and the denomination of the church is legally relevant: It can be perceived as an (unwritten) principle of protestant church law, that such activities cannot be required by church law, but can merely be allowed. However even such an allowance is not permissible without restrictions. Unlike others, this article concludes that such an allowance, insofar as it implies the church itself to take a stand, is only legitimate in case that a former consent (magnus consensus) on the compliance of the present church law with the holy scripture or the denomination of the church ceased to exist.

 

Reiner Braun:

Anfechtungen als „Lebenssaft“

Was Dietrich Bonhoeffer denen zu sagen hat, die Gott in seiner Kirche dienen

Are there special trials for those who serve God in his church? Dietrich Bonhoeffer‘s statements on this question are analyzed in their historical context, his statements as a student, as a lecturer at the university, as an instructor of young pastors during the time of the Nazi regime (1933–1945) and the period called Kirchenkampf (struggle within the Protestant Church in Germany), and as a prisoner. An ambivalent picture emerges. On the one hand the devil can be the initiator of trials, trying to undermine faith; on the other hand God himself uses trials in order to take away false safeguards from those who serve him and to bring into focus what is essential: the concentration on Christ.  

 

 

Editorial

Nein, dies ist nicht primär ein Heft zu Homosexualität und Gender-Mainstreaming. Denn: (1) Die Argumente sind – wenn nicht alles täuscht – im Wesentlichen ausgetauscht. (2) Zu beobachten ist, dass eigentlich gar nicht mehr debattiert wird, sondern nur noch „abgehört“ (vgl. Clemens Hägele in ThBeitr 49,359–367). Es zählen nicht die Argumente, sondern nur noch das richtige oder falsche Ergebnis. Und das kennt man im Prinzip ja schon vorher. (3) Homosexualität und Gender sind nicht die eigentlichen Fragen. Die hidden agenda hinter den Auseinandersetzungen scheint uns eine andere Frage zu sein. Sie kristallisiert sich an den Geschlechterfragen nur an und manifestiert sich hier nur.

Eigentlich geht es um eine andere und viel weiter reichende Frage: Wie können wir als Kirche angesichts der gegensätzlichen Positionen und der ihnen zugrundeliegenden, fundamental unterschiedlichen Hermeneutiken zusammen bleiben? Ja, sind wir in der Segmentierung der weit auseinanderliegenden Haltungen, den gegenseitigen Verwerfungen und dem vielfachen Nicht-mehr-aufeinander-hören-Können und -Wollen überhaupt noch Kirche, eine Kirche?

Differenzierter gefragt: (1) Sind wir als Kirche pluralitätsfähig? Wie werden wir es, ohne die Bedeutung von Positionen zu vergleichgültigen (alles ist erlaubt; alles geht; alles ist evangelisch) und diese – logisch betrachtet – aufzuheben oder umgekehrt die einfach auszugrenzen, die nicht auf Linie sind, unserer Linie natürlich? (2) Wie bestimmen wir Toleranz? Wo liegen die Grenzen von Toleranz, hinüber und herüber? Kann Toleranz als echte Toleranz gegenüber dem, was wirklich ganz anders ist, Grenzen haben? Andererseits: Müssen wir nicht Toleranz als notwendigen Respekt vor der Person des Anderen abgrenzen von der Anerkennung von Positionen, die in der Sache die Aufhebung der eigenen Position bedeuten würde? Können wir Respekt vor dem, was anders ist, weil es im Widerspruch zu den eigenen Auffassungen steht, nur dadurch zeigen, dass wir es als richtig anerkennen? Gilt nicht nach wie vor: Wer kontradiktorische Widersprüche zulässt, sagt gar nichts mehr, jedenfalls nichts Definitives mehr, weil er ja alles, was denkbar und möglich ist, zulässt? Die eine Falle, in die Kirche und Gesellschaft laufen können, ist dieser programmatische Wahrheitspluralismus; er klingt tolerant, ist es aber nicht, weil er letzten Endes jede Position aufhebt. Die andere, ebenso gefährliche ist das Recht der stärkeren Bataillone, das auch in der Kirche zu findende Powerplay. Wir fürchten: Es feiert auch heute in Landeskirchen fröhliche Urständ, notdürftig verhüllt mit dem Mäntelchen vorgeblicher Toleranz. 

Exemplarisch für viele EKD-Gliedkirchen kann das am Weg der EKHN in der Frage des Umgangs mit der Trauung/Segnung homosexueller Paare deutlich werden:

• 1986 bemühte sich eine Konsultation, sich dem Phänomen Homosexualität kirchlicherseits anzunähern und es zu beurteilen.

• Seit 2002 konnten dann Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare stattfinden, damals noch unter der Bedingung, dass der jeweilige Kirchenvorstand (KV) zustimmte.

• 2013 kam es zur Gleichstellung der Segnung homosexueller Paare mit der Trauung Heterosexueller. Pfarrer/Pfarrerin bzw. der KV konnte dies jedoch ablehnen. In diesem Fall musste eine Ausweichlösung gefunden werden.

• 2018 hat nun die Synode die Trauung für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen und damit eine vollständige Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren. Gestrichen hat sie die Möglichkeit der grundsätzlichen Ablehnung einer Trauung Gleichgeschlechtlicher. Die Ablehnung durch Pfarrer/Pfarrerin ist seither nur noch im Einzelfall möglich, wie dies auch bei anderen Amtshandlungen geschieht, sobald Gewissensgründe vorliegen.

In der den Beschlüssen vorangehenden synodalen Debatte wurde bezeichnenderweise intensiv über die Beibehaltung des doch eigentlich durch die Lebensordnung garantierten Gewissensvorbehaltes diskutiert. Weitergehende Voten plädierten sogar für dienstrechtliche Konsequenzen gegenüber denen, die sich der Position der Mehrheit nicht anschließen. Es könne keine Toleranz gegenüber solchen geben, die sich selber intolerant zeigten. Die Diskriminierung solcher – bis hin zum Berufsverbot – sei erlaubt, die andere durch ihre Haltung diskriminierten. Dreierlei ist an diesem Diskussionsgang bemerkenswert:

1. Aus Mehrheitspositionen, die sich für Toleranz gegenüber Minderheiten öffnen, können sehr schnell Minderheitenpositionen derer werden, die nur mit Mühe – noch! – von denen geduldet werden, die einst Toleranz einklagten. 2. Toleranz ist offenkundig für die, die sie einfordern, nur so lange ein Wert, wie er nutzt, sich durchzusetzen. Hat man dieses Ziel erreicht, ist ein echtes Stehen-Lassen anderer nicht mehr sinnvoll. Wenn es um die gute, richtige Sache geht, kann man auch – nicht mehr benötigte – Grundüberzeugungen in Frage stellen.

3. Wer die Mehrheitsmeinung – und sei sie quantitativ noch so überwältigend – zum Maßstab für Toleranz macht, hat noch nicht begriffen, dass Toleranz doch gerade da anfängt und gerade da gefordert ist, wo sie auf das trifft, was wirklich anders und fremd ist. Eine Toleranz, die Grenzen zieht und nur das dulden will, was der eigenen Position zumutbar zu sein scheint, ist nicht tolerant, widerspricht sich selbst und hebt sich damit auf. Wer sich absolut setzt, indem er selber definiert, was tolerabel ist und was nicht, ist nicht tolerant.

Diese Diskursreflexionen münden in pastoraltheologische Konsequenzen. Sie betreffen Kirchenverfassungen und ihren Umgang mit „Abweichlern“, das Dienstrecht und nicht zuletzt junge Menschen, die sich überlegen, ob es in EKD-Mitgliedskirchen für sie noch Berufsperspektiven gibt. Die hier exemplarisch durchgeführte Reflexion ließe sich nicht nur für viele andere Landeskirchen nachvollziehen, sie ist weit über das Schlüsselthema Homosexualität und Gender hinaus virulent und relevant.

Wie gehen wir in einer mental fragmentierten Kirche miteinander um, unabhängig von den jeweiligen, aktuellen Mehrheitsverhältnissen? Können wir in einer durch noch weitgehendere soziokulturelle Segmentierung bestimmten Gesellschaft ein Exempel abgeben, wie man konstruktiv nicht zu überwindende Differenzen gestalten kann, „intolerant“ in der Sache, aber tolerant gegenüber der Person, die so ganz anders tickt und denkt?

Die Beiträge dieses Heftes leisten auf unterschiedliche Weise eine Hilfestellung zur Beantwortung der angeschnittenen Fragen.

Hermann Miklas macht in seiner wegweisenden Meditation über die Starken und die Schwachen in Rom deutlich, dass unsere heutigen Herausforderungen in der Sache nicht neu sind, und zeigt überdies, wie sich angeleitet durch die Heilige Schrift spezifisch evangelische, vom Evangelium getragene Lösungsperspektiven für Einheit und Verschiedenheit finden lassen. 

Klaus Haacker führt in seinem ebenso elementaren wie fundamentalen biblisch-theologischen Kompendium vor, was die Einheit der Kirche bei allen Unterschieden ausmacht und worauf wir uns zurückbeziehen können.

Heinzpeter Hempelmann lässt sich auf das Phänomen faktischer Pluralität nicht nur innerhalb von Kirchen, sondern von Kirchen untereinander und die dadurch gegebene Konkurrenz ein. Er fragt: Wie können Kirchen miteinander umgehen, die in ihrem Kirche-Sein füreinander fraglich sind? Was verbindet sie, und wie können sie Schritte auf dem Weg zu einem gemeinsamen Zeugnis gehen?

Renate Penßel behandelt aus kirchenjuristischer Sicht die Frage, wie kirchenleitende Spielräume aussehen, wenn es keinen magnus consensus gibt. Von wegweisender Bedeutung ist ihre Feststellung: „Der soweit ersichtlich überwiegende Teil des kirchenrechtlichen Schrifttums hält auch in dieser Dissens-Situation kirchenleitendes Handeln (angesichts des gleichzeitigen Fehlens eines magnus consensus für Schriftrelevanz und Schriftwidrigkeit) für möglich – allerdings unter der Einschränkung, dass „ein Handeln, das für seine Übereinstimmung mit Schrift und Bekenntnis keinen magnus consensus in Anspruch nehmen kann, (…) nicht zum Gegenstand einer kirchlichen Rechtspflicht gemacht werden (darf ).“

Reiner Braun geht in die Zeit Bonhoeffers zurück, als die Einheit der Kirche offenkundig zerbrochen war und manche Exponenten der Kirche in besonderer Weise angefochten waren. Der Aufsatz hilft, Anfechtungen nicht nur als Werk des großen Gegenspielers der Kirche zu sehen, sondern auch als Hilfen, sich neu auf das zu konzentrieren, was für Kirche essentiell ist. 

Übrigens: Der Frage nach der Zukunft der Kirche wird sich unser Heft 4 stellen. Beide Hefte werden sich so gegenseitig ergänzen.

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun

 

Mit diesem Heft grüßen die theologischen beiträge Professor Dr. Heinzpeter Hempelmann nachträglich zu seinem 65. Geburtstag: den Autor und Herausgeber, seit drei Jahren auch für den Rezensionsteil verantwortlich, den lernenden und lehrenden Wissenschaftler, den Bibelleser und

Beter, den leidenschaftlichen Streiter und noch leidenschaftlicheren Versöhner, den Seelsorger und – als solcher viel zu selten aktiven – Prediger, den vielfach gefragten Lehrer und Referenten, den Weggefährten, Gesprächspartner und Freund, den in allem von Gott geliebten und getragenen und reich gesegneten Bruder – mit den besten Wünschen, insbesondere für seine in den letzten Jahren keineswegs immer stabile Gesundheit und für seine durch die Krankheit seiner liebe Ehefrau seit vielen Jahren angefochtene Familiensituation! Dass er trotzdem über die mit diesem Geburtstag gesetzte Altersgrenze hinaus die Verantwortung für unsere Zeitschrift zu übernehmen bereit ist, nötigt nicht nur Respekt ab, sondern ist zutiefst Grund zur Dankbarkeit – ihm gegenüber und vor allem dem gegenüber, der ihn bis hierher durchgetragen hat. Dass er dies auch weiterhin tun wird, ist unser Gebet.

Pfarrer Dr. Reiner Braun, Herausgeber und Schriftleiter

Pfarrer Dr. Johannes Reinmüller, Pfarrerinnen- und Pfarrergebetsbund 


Heft 2 (2019)

BIBILISCHE BESINNUNG

 

Michael Herbst:

Befreiung von der drückenden Sorge 

 

 

AUFSÄTZE

 

Alister McGrath:

Erzähltes Evangelium – Erzählende Kirche?

Zur Aufgabe und zum Wesen narrativer Apologetik

 

This article sets out the case for a narrative apologetics, understood not simply as an approach to theology which opportunistically uses stories, but one which is grounded in the fundamentally narrative nature of the Christian faith. The essay draws especially on C. S. Lewis in both making the case for the use of narratives in Christian apologetics, and also considering some ways in which a narrative apologetics might be developed further. In particular, it highlights the importance of showing that a Christian narrative has an imaginative and rational appeal that exceeds that of its secular alternatives. 

 

Das englische Original finden Sie hier.

 

 

Maximilian Zimmermann:

Im Anfang war das Bild?

Impulse der Theologie Martin Kählers zur gegenwärtigen theologischen Diskussion um den iconic turn 

 

 

Gottfried Boehm’s term iconic turn implies the priority of the image over the word, for the meaning of language is based on visual perception. This is inconsistent with the widespread theological emphasis on the priority of the word, often with reference to John 1:14 and Romans 10:17. However, the Protestant theologian Martin Kähler (1835–1912) placed emphasis on pictoral terms such as image, impression and portrait. Kähler did so based on his understanding of revelation as defined by Col 1:15: the invisible God revealed himself through visible or scenic events in history, or through images (e.g. Mark 15:39). Therefore, images are highly significant for the biblical understanding of God’s revelation in history and continue to be essential to Christian life and theology by being put into words (and texts) and by being communicated to others (through words) as normative images of salvation history.. 

 

 

DOKUMENTATION

 

„Nicht unser Jesus“  – „Reclaiming Jesus“ – Ein aktuelles Bekenntnis besorgter Christen und Christinnen in den USA von 2018 – mit einer Einleitung aus deutscher Sicht von Peter Strauch

und in einer Übersetzung von Marcus Tesch

 

 

BERICHT

 

Beate Schütz

Rache, Vergeltung, Vernichtung – wohin mit den sog. Feindpsalmen?

Ein Literaturbericht über neuere Ergebnisse der alttestamentlichen Forschung

 

Diesen Aufsatz können Sie kostenlos downloaden. 

 

 

 

BÜCHER 

 

Editorial

Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leib müde, warnt schon der Prediger (12,12). Damit Sie angesichts der Bücherflut nicht ermüden oder gar resignieren, beobachten wir für Sie die Verlagsszene, wählen gezielt besprechenswerte Neuerscheinungen und suchen kompetente Rezensenten. Ganze 6451 Seiten haben unsere Autoren allein für dieses Heft gelesen – die Rubriken „Bericht“ und „Kontrovers“ nicht berücksichtigt.

Der führende anglikanische Theologe Alister McGrath nimmt die mediale Frage auf. Er zeigt, dass die in postmoderner Kultur richtungweisend gewordene Dimension des Narrativen seit jeher für Kirche und Theologie eine fundamentale Bedeutung hatte und für Verkündigung und Apologetik wieder neu gewonnen werden sollte.

Maximilian Zimmermann geht auf eine weitere wesentliche Veränderung in der medialen Welt ein: den iconic turn. Wie halten wir es mit dem Bild – als Kirche des Wortes? Vf. nimmt einen wichtigen Anstoß aus der Theologie Martin Kählers auf: Die Offenbarung des unsichtbaren Gottes vollzieht sich, indem er sichtbar wird, Geschichte wird. Inkarnation ist ein nicht nur abstrakt zu denkendes, sondern ein höchst „anschauliches“ Geschehen.

Wir dokumentieren überdies die Erklärung „Nicht unser Jesus“ (Reclaiming Jesus), auf die sich ein breites Bündnis von Kirchen in den USA 2018 verständigt hat. Peter Strauch gibt eine kurze Einführung in die Vorgänge, die zu dieser Erklärung geführt haben. Das Dokument kann einerseits den Blick auf US-Evangelikale differenzieren helfen. Es muss aber auch hierzulande fragen lassen, ob es eine geradezu naturgemäße Verbundenheit zwischen konservativen Christen und konservativer Politik gibt.

Wie wir mit Gewalt-Texten im AT umgehen, ist und bleibt eine der bedrängendsten biblischtheologischen Fragen. Beate Schütz gibt wertvolle Hinweise, wie jenseits von Sachkritik, Verharmlosung oder Verschweigen neue Ansätze in der Forschung einen sachgemäßen und hilfreichen Zugang finden lassen. Sie leitet dazu an, die Rache-Psalmen aus der Opfer-Perspektive zu lesen und zu entdecken, wie hilfreich, rettend, befreiend diese dann wirken können.

Rainer Riesner setzt sich mit der viel beachteten Veröffentlichung des Historikers Johannes Fried auseinander und begründet mit historischen Mitteln, warum auch diese neueste Variante der Scheintodhypothese nicht zu überzeugen vermag und die Osterbotschaft nicht unterminieren kann.

Wir beginnen unser Heft mit dem Buch der Bücher, mit der Anweisung Jesu: „Sorget nicht!“ Michael Herbst fragt nach: Darf man denn sorglos sein? Er deckt auf, von woher dieser Imperativ allein Sinn bekommt, und er arbeitet die praktischen Empfehlungen heraus, die Jesus gibt, um ihm folgen zu können!

Mit diesem Heft verabschieden wir uns von Prof. Dr. Johannes Triebel (Erlangen) als Mitglied des Beirats unserer Zeitschrift. In 18 Jahrgängen hat er seine missions- und islamwissenschaftlichen Kompetenzen eingebracht. Dafür sagen wir ihm auch an dieser Stelle großen Dank für seinen Einsatz.

 

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun 

 

 


Heft 1 (2019)

BIBILISCHE BESINNUNG

 

Reiner Braun:

Jesus und seine Engel im Leiden. Predigt über Matthäus 26+27 mit einem Bild von Günther W. Hartig 

(Download des Bildes unter "Extras")

 

 

AUFSÄTZE

 

Jörg Frey:

„Seht, euer König!“ Die Johannes-Passion als Sehschule des Glaubens

 

Starting with some observations on the text of Johann Sebastian Bach´s St. John’s Passion, the article provides an interpretation of the Johannine passion narrative as a deliberately crafted instruction for readers to “behold” Jesus, the Crucified One, as the true king. The whole gospel, and in particular the presentation of Jesus’s trial and passion, are designed to bring readers to an appropriate perception of and, thus, to faith in Jesus as the glorified Crucified One. Readers are called to perceive his passion not as a story of failure, but of vindication, not as the end, but as the foundation of faith and new life, and the appropriate response is not compassion but trust in the ‘fruits’ of his vicarious death. The article first sketches the differences between the four canonical passion accounts and the unique character of the Johannine account. Then, it presents the various interpretive categories introduced in John long before the actual beginning of the passion. In its main part, the scenes from John 18 – 19 are briefly interpreted with special focus on the literary devices presenting Jesus’s royal sovereignty, the motif of his kingship or even judicial authority over his judge Pilate, and the completion of his ministry and the Scriptures in his death. In conclusion, the Johannine view of the death of Jesus is briefly summarized, before some final remarks again point to the ingenious reception of John’s theology and in particular the aspect of mutual representation or ‘placetaking’ in the textual web of Bach’s masterpiece. 

 

Einen Download dieses Beitrags finden Sie hier.

 

Rainer Riesner:

Golgatha und das Grab Jesu – stumme Zeugen für Passion und Auferstehung 

 

The so-called "Garden Tomb" north of Jerusalem‘s Old City as well as the "Talpiot Tomb" in the southern suburb Talpiot are to be excluded as the site of the tomb of Jesus. According to traditional testimonies and archaeological evidence Golgotha and the empty grave of Jesus are to be located within the Church of the Holy Sepulchre.

 

 

Rouven Genz:

Die Dornenkrone Jesu. Erwägungen zu ihrer soteriologischen Bedeutung 

 

This article highlights the crown of thorns as an important theological component in the passion narrative. The usual interpretations based on historical analogies are resumed, including the question what the crown was made of. The crucial point, however, is the connection with the thorns in the narrative of the Fall (Gen 3:18). This becomes clear not only from the verbal nexus, but also as the understanding in the early church is surveyed: Until the fifth century many different authors confirm that the wreath of thorns is not only an insignia of Jesus’ kingship or an instrument of torture. It also warrants that the old curse and misery of humankind is being

removed through the one bearing the thorns on the cross. 

 

 

Michael Herbst:

Das Gotteslob. 20 angriffslustige und angreifbare Thesen zu einer umstrittenen Frage – aus praktisch-theologischer Sicht

 

Praise Music has a strong impact on local churches in different denominations. Modern worship songs are rooted in popular music styles and a more or less charismatic theology and spirituality. Some international churches like Hillsong are very influential producers of worship songs. This paper tries to offer criteria for the evaluation of worship songs and their role in protestant worship services. It pleads for a positive reception of these songs, if they measure up to the criteria for worship taken from the psalms and the protestant tradition of hymns (e.g, Paul Gerhardt), and if they represent the whole range of expressions of faith/life from great joy to lamentation.

 

 

BÜCHER 

 

Editorial

Ein Heft zum Thema Passion? Kann man dazu noch Neues sagen? Aufregendes? Etwas, das der Kenntnisnahme wert ist?

Musik und Kunst bahnen überraschende Wege, auch in diesem Heft. Während wir Ihnen ein Gemälde zwar verkleinert, aber doch – zum zweiten Mal in der Geschichte dieser Zeitschrift – in Farbe präsentieren können, hoffen wir, dass Sie die Musik parat haben oder sogar live erleben können.

Reiner Braun lässt in seiner Karfreitagspredigt ein Bild des Künstlers Günther W. Hartig („Angesichts des Todes“) zum Medium werden, um des Karfreitagsgeschehens durch verschiedene Perspektivwechsel neu ansichtig zu werden.

Sodann melden sich drei Neutestamentler zu Wort.

Jörg Frey entfaltet die johanneische Darstellung der Passion Jesu als „Sehschule des Glaubens“, indem er auf der Basis exegetischer Einsichten deutlich macht, wie schon das Johannesevangelium dazu anleitet, im Leiden Jesu seine Herrlichkeit zu identifizieren, „als Geschichte nicht des Scheiterns, sondern der Überwindung des Todes, nicht des Endes, sondern eines neuen Anfangs“. Sein nicht nur exegetischer Beitrag greift dazu auf das musikalische Medium der Johannespassion J. S. Bachs zurück.

In seinem Forschungsbericht „Golgatha und das Grab Jesu – stumme Zeugen für Passion und Auferstehung“ informiert Rainer Riesner nicht nur über die Geschichte und den aktuellen Forschungsstand der Suche nach dem Grab Jesu. In seiner Darstellung werden die stummen steinernen und literarischen Zeugnisse zu beredten Zeugen dessen, was die Mitte des Neuen Testaments ausmacht: verbum dei incarnatum est. Es zeigt sich erneut: Christliche Archäologie ist eine der besten Medizinen gegen eine verharmlosende Spiritualisierung des christlichen Glaubens.

Rouven Genz nimmt diese Linie auf. Er fokussiert mit der Dornenkrone eines der zentralen theologischen Elemente der Passion Jesu. Ausgehend von historischen Analogien stößt er zu zentralen biblisch-theologischen Bezügen und einer aufschlussreichen theologischen Deutung durch.

Wenn sich von Seiten der Praktischen Theologie Michael Herbst zum Thema Worship äußert und seine kritische Sicht in grundsätzliche Überlegungen über das Gotteslob einbettet, so sind die Bezüge zur Passion hier eher indirekter Natur, aber durchaus gegeben: Wie werden wir mit unserer liturgischen Antwort eigentlich diesem Geschehen der tiefsten Liebe und Herunterlassung Gottes im Leiden Jesu gerecht?

Mit den Rezensionen möchten wir Sie, wie immer, auf interessante und bemerkenswerte Veröffentlichungen aufmerksam machen.

Einen ganz besonderen Gruß überbringen wir mit diesem Heft an unser langjähriges Beiratsmitglied Jörg Ohlemacher zu seinem 75. Geburtstag in großer Dankbarkeit für sein Engagement und seine Verbundenheit mit unserer Zeitschrift.

 

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun 

 

 


Heft 6 (2018)

MISZELLE

 

Klaus Haacker:

Rätsel um Maria. Überlegungen zu Lk 1,34 und 1,27; 2,5 (326-331)

 

 

AUFSÄTZE

 

Henning Wrogemann:

„Wir glauben doch alle an denselben Gott …“ – wirklich? Zur Kritik einer Floskel am Beispiel Liebe Gottes in Koran und Neuem Testament (332-347)

 

The dialogue-paper presented by the High Consistory of the Protestant Church in Baden in July 2018 is critically reviewed with regard to its inherent theology of religion. Based on an analysis of the theme of the love of God in both, the Qur‘an and the New Testament, it is shown that these two notions of God are incompatible, and that it is only possible to postulate their compatibility with the help of thought patterns which are based on convictions of religious pluralism. This approach is submitted to fundamental critique. The author raises the question what the task of church leadership can be with regard to questions in the field of theology of religion.

 

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Christian Pohl: Mit Bildung gegen die „Häresie unserer Zeit“. Die EKD-Synode in Berlin-Weißensee 1958 (348–358)

 

In April 1958 the curch council of the „Evangelische Kirche in Deutschland“ (EKD) sat in conference in Berlin-Weißensee. This conference was criticized and disturbed by political agitation of the „German Democratic Republic“. Also the main topic of the conference, “Church and education”, was a target of political propaganda which proclaimed, that education should be an exclusive duty of the state. In the theological discussion of this ideology the church council referred to the claim of the first commandment as a main criterion even in questions of education. – The “jubilee” of this education-conference of the EKD still evokes some urgent questions for today: Is the claim of the first commandment still named as a criterion of education in the face of the ideological situation of our time and society? Where do we have to remember this claim as a critical criterion for a christian view of the problems of our postmodern society?

 

 

KONTROVERS

 

Clemens Hägele:

"Die Argumente sind doch längst ausgetauscht …“ Warum dieser Satz in der Regel nicht stimmt und wir dringend eine Erneuerung der theologischen Debatte in der Kirche brauchen (359–367)

 

 

 

BERICHT

 

Reiner Braun:

Der Dreißigjährige Krieg – ein Religionskrieg?  (368-376)

 

 

 

BÜCHER (377-384)

 

 

Editorial

Das Kalenderjahr geht zu Ende. Das neue Kirchenjahr hat indes schon begonnen. Das ist ein wunderschönes Bild für das, was Weihnachten ist: Die eine Welt geht zu Ende, die andere beginnt als neue Welt, die einbricht in diese Alte.

Theologie bedeutet etwas. Theologische Reflexion macht den Unterschied. Es ist nicht egal, gleichgültig, wie wir denken.

Klaus Haackers einleitende Beobachtungen zur unendlich oft gehörten Weihnachtsgeschichte zeigen, was eine hörende, genau hinschauende Exegese leisten kann und wie sich mit wenigen Einsichten eine völlig neue Perspektive auf etwas scheinbar durch und durch Vertrautes ergibt. Unbedingt zur Lektüre empfohlen!

Der Religions- und Missionswissenschaftler Henning Wrogemann leistet einen Beitrag zur Neupositionierung von Kirche und Christen in einer multireligiösen Gesellschaft und ihrem kategorischen Imperativ: Dialog! Dialog, ja, unbedingt, aber nicht unter Preisgabe der eigenen Positionen! In Auseinandersetzung mit einem offiziellen Papier aus der Badischen Landeskirche zeigt er am Beispiel der Liebe Gottes als Kernstück christlichen Glaubens auf, dass eine pluralistische Religionstheologie mit ihrer Überzeugung „Wir glauben doch alle an denselben Gott!“ sich nicht als Basis für einen fruchtbaren und verantwortbaren Dialog der Religionen eignet.

Der Pfarrer und Religionspädagoge Christian Pohl schreibt in seinem Rückblick auf die EKD-Bildungs-Synode in Berlin-Weißensee 1958 nicht nur ein Stück lesenswerte Zeitgeschichte. Er zeigt als theologischen Kern: Das erste Gebot macht den Unterschied. Wer sich daran orientiert, kann auch angesichts ideologischer Politik einen Leitfaden finden.

Clemens Hägele, Rektor des Tübinger Albrecht Bengel-Hauses, wertet eigene Erfahrungen über innerkirchliche Kommunikationsprozesse aus, wenn er feststellt: Die Kirche braucht für ihre Erneuerung auch eine Erneuerung der innerkirchlichen Argumentationskultur. Der theologische Streit ist wichtig. Das theologische Argument darf nicht gleichgültig werden. Es macht den Unterschied.

Reiner Braun stellt in seiner orientierenden Sammelrezension von Werken zum Dreißigjährigen Krieg Argumente pro und contra zusammen zu einer Frage, die heute die gesellschaftliche Diskussion über die Rolle der Religion zentral bestimmt: War dieser Krieg ein Religionskrieg? Welche Rolle spielten theologische Wahrheitskonzepte in dieser verheerenden Auseinandersetzung? Ist Religion gewaltproliferativ?

Fünf anregende Rezensionen runden das letzte Heft dieses Jahrgangs ab.

Wir wünschen unseren Lesern ein gesegnetes Christfest - und genügend Muße zur Lektüre.

 

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun 

 

 


Heft 5 (2018)

BIBLISCHE BESINNUNG

 

Reiner Braun:

„Bitte aufräumen!“ Predigt am Buß- und Bettag über Markus 1,15 (262–266)

 

 

AUFSÄTZE

 

Marius Reiser:

Aszetik bei Paulus und bei Teresa von Avila (267–279)

 

Paul as well as Teresa of Avila show determination and a pull towards the grand in spiritual life. They value self-restraint and a sense of bodily asceticism. Paul sees an analogy in sports (1 Cor 9: 2427, Phil 3: 711). And both know that without divine grace nothing comes to pass.

 

 

Martin Stupperich:

Reformation als Bollwerk gegen den Antichrist (280–295)

 

The reformation und the confessional time are fundamentally impacted by apocalyptic ideas in the german Lutheranism. Martin Luther thought and acted as an apocalypticist. The apocalyptic ideas were very serious to him and to the other reformers and they were not a tribute to the lower

classes of people. Indeed he formed the figure of Antichrist to a basic idea leaded by criteria, so that he didnt fight against a personally Antichrist but against antichristian forces. For Luther and the reformers these forces were the papacy, the turks, the Jews and the bad Christians.

 

 

Johannes Zimmermann:

Gemeinde, Mission und Transformation. Ein Gespräch mit der „Transformationstheologie“ (296–312)

 

Beginning with an overview of the worldwide theological, partly also political discourse on transformation, the article examines backgrounds and contexts of the evangelical transformation theology. This is understood as a contextual theology whose intention and reasoning are plausible

and at the same time often limited to certain contexts and specific church situations. Finally, the concern of transformation is put in relation to the theme of Gods kingship (kingdom of God). In doing so, theological criteria for evaluation are developed.

 

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BERICHT

 

Friedmann Eißler:

Zur Abrahamischen Ökumene (313–315)

 

 

QUELLE

 

Johannes Daniel Falk:

Radikale Nächstenliebe (316–317)

 

 

BÜCHER (318–324)

 

 

Editorial

 

Vorsicht, liebe Leserin! Vorsicht, lieber Leser! Dieses Heft ist voller Anstöße, Impulse, Paränesen. Es könnte gefährlich werden, sich dem zu stellen. Vielleicht ändert es etwas bei Ihnen und vielleicht auch bei denen, mit denen Sie umgehen. Mit dem anschaulichen Beispiel aus der Eingangspredigt von Reiner Braun: Evangelisch sein heißt: Das Schild „Bitte nicht stören!“ umzudrehen zur Einladung: „Bitte aufräumen!“

In dem Aufsatz des katholischen Neutestamentlers Marius Reiser wird durch die reizvolle Zusammenschau von Paulus und Theresa von Avila deutlich, dass die Frage nach einer vom Evangelium geprägten Lebensgestalt nicht in Gesetzlichkeit und Frust enden muss, sondern nur da richtig und fruchtbar beantwortet wird, wo sie im Anschluss an Christus, im konkreten Leben aus seiner Gnade und Fülle beantwortet wird.

Der Theologe, Historiker und Pädagoge Martin Stupperich zeigt, wie sich viele der Widerhaken Luthers für heutige Theologie und Kirche und viele seiner Einsprüche gegen die Theologie und Kirche seiner Zeit streng theologisch verstehen lassen. Stupperich greift die vor allem von Heiko A. Oberman vertretene Luther-Deutung auf, wenn er die Theologie des Reformators einzeichnet und versteht in einem apokalyptischen Denk-, Erwartungs- und Lebenshorizont – eine wichtige Stimme und Ergänzung im Kontext gegenwärtiger Beschäftigung mit Luther, die diesen oft entweder gleichschaltet als modernen Denker oder verwirft als mittelalterliches Urtier. Luthers Verkündigung war gesellschaftsrelevant und lebensverändernd. Stupperichs Rekonstruktion stellt vor die Frage, wie wir heute im Anschluss an Luther, anders als Luther seine Anliegen aufnehmen können.

Die gegenwärtig viel diskutierte Transformationstheologie ist der Versuch einer solchen Antwort. In seiner hier dokumentierten Antrittsvorlesung an der Evangelischen Hochschule Tabor unterzieht der Praktische Theologe Johannes Zimmermann diesen Ansatz einer kritischen Prüfung.

Der in Berlin in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen tätige Theologe und Islamwissenschaftler Friedmann Eißler würdigt in seinem Beitrag die herausragende Dissertation des aus dem Nahen Osten stammenden Hanna Nouri Josua über „Ibrahim, den Gottesfreund“ in der Weise, dass über eine bloße Rezension hinaus Grundlinien des Konzepts der Abrahamischen Ökumene dargestellt und islamkundlich kritisch bewertet werden.

Ein anregender Text aus der Diakoniegeschichte sowie aufschlussreiche Blicke auf neue Bücher zur Kirchentheorie, zur Dogmatik, zur Ökumene, zum Reich Gottes, zur Bedeutung des Gemeinschaftskonzeptes für die Mission, zum neuen katholischen Gesangbuch, zur Kirche ohne Stufen runden das Heft ab.

 

 

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun