Aktuelle Ausgabe: Heft 6 (2018)

MISZELLE

 

Klaus Haacker:

Rätsel um Maria. Überlegungen zu Lk 1,34 und 1,27; 2,5 (326-331)

 

 

AUFSÄTZE

 

Henning Wrogemann:

„Wir glauben doch alle an denselben Gott …“ – wirklich? Zur Kritik einer Floskel am Beispiel Liebe Gottes in Koran und Neuem Testament (332-347)

 

The dialogue-paper presented by the High Consistory of the Protestant Church in Baden in July 2018 is critically reviewed with regard to its inherent theology of religion. Based on an analysis of the theme of the love of God in both, the Qur‘an and the New Testament, it is shown that these two notions of God are incompatible, and that it is only possible to postulate their compatibility with the help of thought patterns which are based on convictions of religious pluralism. This approach is submitted to fundamental critique. The author raises the question what the task of church leadership can be with regard to questions in the field of theology of religion.

 

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Christian Pohl: Mit Bildung gegen die „Häresie unserer Zeit“. Die EKD-Synode in Berlin-Weißensee 1958 (348–358)

 

In April 1958 the curch council of the „Evangelische Kirche in Deutschland“ (EKD) sat in conference in Berlin-Weißensee. This conference was criticized and disturbed by political agitation of the „German Democratic Republic“. Also the main topic of the conference, “Church and education”, was a target of political propaganda which proclaimed, that education should be an exclusive duty of the state. In the theological discussion of this ideology the church council referred to the claim of the first commandment as a main criterion even in questions of education. – The “jubilee” of this education-conference of the EKD still evokes some urgent questions for today: Is the claim of the first commandment still named as a criterion of education in the face of the ideological situation of our time and society? Where do we have to remember this claim as a critical criterion for a christian view of the problems of our postmodern society?

 

 

KONTROVERS

 

Clemens Hägele:

"Die Argumente sind doch längst ausgetauscht …“ Warum dieser Satz in der Regel nicht stimmt und wir dringend eine Erneuerung der theologischen Debatte in der Kirche brauchen (359–367)

 

 

 

BERICHT

 

Reiner Braun:

Der Dreißigjährige Krieg – ein Religionskrieg?  (368-376)

 

 

 

BÜCHER (377-384)

 

 

Editorial

Das Kalenderjahr geht zu Ende. Das neue Kirchenjahr hat indes schon begonnen. Das ist ein wunderschönes Bild für das, was Weihnachten ist: Die eine Welt geht zu Ende, die andere beginnt als neue Welt, die einbricht in diese Alte.

Theologie bedeutet etwas. Theologische Reflexion macht den Unterschied. Es ist nicht egal, gleichgültig, wie wir denken.

Klaus Haackers einleitende Beobachtungen zur unendlich oft gehörten Weihnachtsgeschichte zeigen, was eine hörende, genau hinschauende Exegese leisten kann und wie sich mit wenigen Einsichten eine völlig neue Perspektive auf etwas scheinbar durch und durch Vertrautes ergibt. Unbedingt zur Lektüre empfohlen!

Der Religions- und Missionswissenschaftler Henning Wrogemann leistet einen Beitrag zur Neupositionierung von Kirche und Christen in einer multireligiösen Gesellschaft und ihrem kategorischen Imperativ: Dialog! Dialog, ja, unbedingt, aber nicht unter Preisgabe der eigenen Positionen! In Auseinandersetzung mit einem offiziellen Papier aus der Badischen Landeskirche zeigt er am Beispiel der Liebe Gottes als Kernstück christlichen Glaubens auf, dass eine pluralistische Religionstheologie mit ihrer Überzeugung „Wir glauben doch alle an denselben Gott!“ sich nicht als Basis für einen fruchtbaren und verantwortbaren Dialog der Religionen eignet.

Der Pfarrer und Religionspädagoge Christian Pohl schreibt in seinem Rückblick auf die EKD-Bildungs-Synode in Berlin-Weißensee 1958 nicht nur ein Stück lesenswerte Zeitgeschichte. Er zeigt als theologischen Kern: Das erste Gebot macht den Unterschied. Wer sich daran orientiert, kann auch angesichts ideologischer Politik einen Leitfaden finden.

Clemens Hägele, Rektor des Tübinger Albrecht Bengel-Hauses, wertet eigene Erfahrungen über innerkirchliche Kommunikationsprozesse aus, wenn er feststellt: Die Kirche braucht für ihre Erneuerung auch eine Erneuerung der innerkirchlichen Argumentationskultur. Der theologische Streit ist wichtig. Das theologische Argument darf nicht gleichgültig werden. Es macht den Unterschied.

Reiner Braun stellt in seiner orientierenden Sammelrezension von Werken zum Dreißigjährigen Krieg Argumente pro und contra zusammen zu einer Frage, die heute die gesellschaftliche Diskussion über die Rolle der Religion zentral bestimmt: War dieser Krieg ein Religionskrieg? Welche Rolle spielten theologische Wahrheitskonzepte in dieser verheerenden Auseinandersetzung? Ist Religion gewaltproliferativ?

Fünf anregende Rezensionen runden das letzte Heft dieses Jahrgangs ab.

Wir wünschen unseren Lesern ein gesegnetes Christfest - und genügend Muße zur Lektüre.

 

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun 

 

 

Vorherige Ausgabe: Heft 5 (2018)

BIBLISCHE BESINNUNG

 

Reiner Braun:

„Bitte aufräumen!“ Predigt am Buß- und Bettag über Markus 1,15 (262–266)

 

 

AUFSÄTZE

 

Marius Reiser:

Aszetik bei Paulus und bei Teresa von Avila (267–279)

 

Paul as well as Teresa of Avila show determination and a pull towards the grand in spiritual life. They value self-restraint and a sense of bodily asceticism. Paul sees an analogy in sports (1 Cor 9: 2427, Phil 3: 711). And both know that without divine grace nothing comes to pass.

 

 

Martin Stupperich:

Reformation als Bollwerk gegen den Antichrist (280–295)

 

The reformation und the confessional time are fundamentally impacted by apocalyptic ideas in the german Lutheranism. Martin Luther thought and acted as an apocalypticist. The apocalyptic ideas were very serious to him and to the other reformers and they were not a tribute to the lower

classes of people. Indeed he formed the figure of Antichrist to a basic idea leaded by criteria, so that he didnt fight against a personally Antichrist but against antichristian forces. For Luther and the reformers these forces were the papacy, the turks, the Jews and the bad Christians.

 

 

Johannes Zimmermann:

Gemeinde, Mission und Transformation. Ein Gespräch mit der „Transformationstheologie“ (296–312)

 

Beginning with an overview of the worldwide theological, partly also political discourse on transformation, the article examines backgrounds and contexts of the evangelical transformation theology. This is understood as a contextual theology whose intention and reasoning are plausible

and at the same time often limited to certain contexts and specific church situations. Finally, the concern of transformation is put in relation to the theme of Gods kingship (kingdom of God). In doing so, theological criteria for evaluation are developed.

 

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BERICHT

 

Friedmann Eißler:

Zur Abrahamischen Ökumene (313–315)

 

 

QUELLE

 

Johannes Daniel Falk:

Radikale Nächstenliebe (316–317)

 

 

BÜCHER (318–324)

 

 

Editorial

 

Vorsicht, liebe Leserin! Vorsicht, lieber Leser! Dieses Heft ist voller Anstöße, Impulse, Paränesen. Es könnte gefährlich werden, sich dem zu stellen. Vielleicht ändert es etwas bei Ihnen und vielleicht auch bei denen, mit denen Sie umgehen. Mit dem anschaulichen Beispiel aus der Eingangspredigt von Reiner Braun: Evangelisch sein heißt: Das Schild „Bitte nicht stören!“ umzudrehen zur Einladung: „Bitte aufräumen!“

In dem Aufsatz des katholischen Neutestamentlers Marius Reiser wird durch die reizvolle Zusammenschau von Paulus und Theresa von Avila deutlich, dass die Frage nach einer vom Evangelium geprägten Lebensgestalt nicht in Gesetzlichkeit und Frust enden muss, sondern nur da richtig und fruchtbar beantwortet wird, wo sie im Anschluss an Christus, im konkreten Leben aus seiner Gnade und Fülle beantwortet wird.

Der Theologe, Historiker und Pädagoge Martin Stupperich zeigt, wie sich viele der Widerhaken Luthers für heutige Theologie und Kirche und viele seiner Einsprüche gegen die Theologie und Kirche seiner Zeit streng theologisch verstehen lassen. Stupperich greift die vor allem von Heiko A. Oberman vertretene Luther-Deutung auf, wenn er die Theologie des Reformators einzeichnet und versteht in einem apokalyptischen Denk-, Erwartungs- und Lebenshorizont – eine wichtige Stimme und Ergänzung im Kontext gegenwärtiger Beschäftigung mit Luther, die diesen oft entweder gleichschaltet als modernen Denker oder verwirft als mittelalterliches Urtier. Luthers Verkündigung war gesellschaftsrelevant und lebensverändernd. Stupperichs Rekonstruktion stellt vor die Frage, wie wir heute im Anschluss an Luther, anders als Luther seine Anliegen aufnehmen können.

Die gegenwärtig viel diskutierte Transformationstheologie ist der Versuch einer solchen Antwort. In seiner hier dokumentierten Antrittsvorlesung an der Evangelischen Hochschule Tabor unterzieht der Praktische Theologe Johannes Zimmermann diesen Ansatz einer kritischen Prüfung.

Der in Berlin in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen tätige Theologe und Islamwissenschaftler Friedmann Eißler würdigt in seinem Beitrag die herausragende Dissertation des aus dem Nahen Osten stammenden Hanna Nouri Josua über „Ibrahim, den Gottesfreund“ in der Weise, dass über eine bloße Rezension hinaus Grundlinien des Konzepts der Abrahamischen Ökumene dargestellt und islamkundlich kritisch bewertet werden.

Ein anregender Text aus der Diakoniegeschichte sowie aufschlussreiche Blicke auf neue Bücher zur Kirchentheorie, zur Dogmatik, zur Ökumene, zum Reich Gottes, zur Bedeutung des Gemeinschaftskonzeptes für die Mission, zum neuen katholischen Gesangbuch, zur Kirche ohne Stufen runden das Heft ab.

 

 

Heinzpeter Hempelmann und Reiner Braun