Jürgen Schuster: Gemeinsam unterwegs. Mission verändert – Mission verändert sich, Berlin: LIT Verlag 2023, 318 S., 29,90 €. ISBN 978-3-643-15423-1.
In diesem Aufsatzband hat Jürgen Schuster, Professor für Interkulturelle Theologie an der Internationalen Hochschule Liebenzell, sämtliche Aufsätze zu Theologie, Mission und Kultur sowie deren Relation zusammengeführt und thematisch gebündelt. Der Reflexionshorizont des Autors umspannt dabei seine Tätigkeiten in unterschiedlichen internationalen akademischen Bezügen sowie seine langjährigen Erfahrungen in Gemeindegründung und Gemeindeaufbau in Japan. Ferner verleihen interdisziplinäre Forschungszugänge und wechselseitige Interaktionen mit Studierenden und Freunden seiner Grundüberzeugung, dass Theologie auch immer Biographie ist (7), eine überzeugende Glaubwürdigkeit.
Die 15 Aufsätze in diesem Band sind in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil behandelt der Autor grundlegende Fragen der Missionstheologie und der Kontextualisierung. Er beginnt mit einer biblisch-theologischen Fundierung der Missio Dei, erörtert kulturwissenschaftliche und hermeneutische Fragen bezüglich des Spannungsverhältnisses zwischen Evangelium und Kultur und stellt Herausforderungen der Kontextualisierung dar. Kontextualisierung müsse als „ein dynamischer, offener Prozess“ (79) verstanden werden, der sich stets an Jesus Christus als dem Zentrum des Evangeliums orientiert. Ferner könne christliche Mission „nur im Kontext der Weltchristenheit erfolgen und nur zusammen mit ihr“ (93). In diesem Sinne werde sich Mission im 21. Jhd. insofern verändern, dass Geschwister aus aller Welt als „gelebte Gastfreundschaft Gottes“ (103) und als „hermeneutische Gemeinschaft zusammen in der Mission Gottes unterwegs sind“ (104).
Im zweiten Teil wendet sich der Autor dem britischen Indienmissionar Lesslie Newbigin und seiner Missionstheologie zu, den er als einen „der bedeutendsten Missionstheologen und Ökumeniker des 20. Jh.s.“ (8) betrachtet. Seine jahrzehntelangen Erfahrungen als Missionar im religiös pluralistischen Kontext Indiens haben Newbigin auf die Begegnung mit dem religiösen Pluralismus im Westen vorbereitet. So befasste sich Newbigin mit der Frage, wie das Evangelium der westlichen Kultur angemessen begegnen kann (124). Als das Grundproblem des westlichen Weltbildes identifiziert Newbigin die historisch gewachsene Diskrepanz zwischen öffentlicher und privater Wahrheit (133), welcher er entgegenhält, dass das Evangelium „die Nachricht eines geschichtlichen Ereignisses mit universaler Bedeutung“ (204) ist. Dies habe Implikationen für das Verhältnis zu Religionen, für das sozialmissionarische Engagement im Kontext des Reiches Gottes und für ekklesiologische Praktiken.
Im dritten Teil weitet der Autor den Blick auf das breite Spektrum der Interkulturellen Theologie und wendet sich Fragen der religiösen und kulturellen Herausforderungen zu. Im Vordergrund steht dabei der Umgang von Christen mit andersgläubigen Menschen und mit kulturell-religiösen Fremdheitserfahrungen. Entscheidend sei dabei, dass man eigene christlich-theologische Grundüberzeugungen nicht relativiert (239), sondern an bestehende Gottesvorstellungen im Kontext von Kontinuität und Diskontinuität anknüpft (231) sowie unterschiedliche kulturelle Formen in einem Dritten Raum aushandelt (294). Darüber hinaus geht es um eine christliche Positionierung gegenüber postmoderner Spiritualität in Form von Animismus einerseits und säkularisierenden Tendenzen im heutigen Zeitalter andererseits. Hier könne die Kirche theologisch-reflektierend das Metanarrativ des Evangeliums vermitteln, indem sie sich als „Erzählgemeinschaft, in der die einzelnen Lebensgeschichten sich zu einer großen Geschichte Gottes mit seinen Menschen verbinden“ (316), in einer postmodern-pluralistischen Gesellschaft verortet.
Dem Autor gelingt es, die aktuelle Großwetterlage der missionstheologischen und kulturwissenschaftlichen Diskurse anhand von prägnanten Begriffen, praxisnahen Veranschaulichungen und zentralen Aussagen von Theologen aus der weltweiten Ökumene (die er selber ins Deutsche übersetzt hat) kompakt und inspirierend wiederzugeben.
Mike K. Lee, Düsseldorf
GND 1248335597
erschienen in: ThBeitr 56, Heft 25–3
