Maria B. Lang: Praesentia Iesu Christi. Die Apostelgeschichte als christologische Erzählung (Herders Biblische Studien 98), Freiburg i. Br.: Herder 2022, 392 S., 75 €. ISBN 978-3-451-38898-9.
Die von Knut Backhaus in München betreute Dissertation vertieft und erweitert die Diskussion über eine „Präsenz“ und somit Aktivität Jesu Christi in der Apg. In der Acta-Forschung gibt es hierzu drei Positionen: 1) Bestreitung einer Präsenz (via einer „absentee Christology“ von C.F.D. Moule), 2) Gegenwart/Aktivität des Abwesenden und 3) fortgesetzte Präsenz und Aktivität Jesu. L. bemängelt, dass in der bisherigen Diskussion nicht präzise genug auf die Definition des Begriffes Präsenz eingegangen wurde, noch hat sich eine ganze Monografie mit diesem Thema beschäftigt. L. versteht Präsenz als „bewusst wahrgenommene Gegenwärtigkeit“, welche den zeitlichen und räumlichen Aspekt beinhaltet (32). Die Fragestellung der Arbeit lautet also: Auf welche Art und Weise ist Jesus in der Apg präsent? L. vertritt die These, „dass Jesus auch nach seiner Himmelfahrt auf vielfältige Art in der Apostelgeschichte präsent ist, die als christologische Erzählung darauf abzielt, den Rezipienten die Augen für die Gegenwart und das Wirken des erhöhten Kyrios zu öffnen und ihnen die Kontinuität der von Gott gelenkten Heilsgeschichte zu veranschaulichen“ (45).
Lukas entfaltet durch Erzählen seine Theologie, und so beginnt L. ihre Untersuchung mit dem ersten Hauptteil „Entfaltung der Präsenz Christi im Erzählverlauf “ (47–173). L. nutzt hierzu computergestützte Analysen (z. B. Steve Walton via Richard A. Burridge), um Tendenzen im Text aufzuweisen, untersucht ihn aber v. a. per Hand narratologisch. Den Erzählverlauf teilt L. folgendermaßen ein: Jerusalemer Urzeit (1,15–6,7), Umbruchzeit (6,8–12,24) und Aufbruchszeit (12,25–28,31). Sie schließt den Teil mit der Beobachtung, dass Jesus zwar nicht mehr in gleicher Weise wie vor der Himmelfahrt präsent sei. Das bedeute aber nicht, dass er abwesend sei. Jesus trete gelegentlich auf der Erzählbühne auf. Es sei jedoch zu beobachten, dass „sich die Präsenz Jesu nicht auf sein sichtbares Erscheinen“ beschränke (173). Jesus sei im Verlaufe der Erzählung des Lukas auf unterschiedliche Art und Weise präsent. Dies wird in dem nächsten Hauptteil untersucht: „Formen der Präsenz Jesu Christi nach der Himmelfahrt“ (174–318). Folgende Präsenzmodi werden hierzu betrachtet: Erscheinungen Jesu, Geistsendung, Jesu Name, Wunder, Verkündigung und weitere Figurenrede, Jesu Zeugen und ihr Geschick und Gemeinschaft und Vollzüge der Ekklesia.
In der Bilanz zeigt L. auf, dass die Präsenzweise Christi mit der Präsenz Gottes zu vergleichen, ja gleichzusetzen sei. Jesus befinde sich in der Seinssphäre Gottes und „partizipiert zudem an dessen Funktionen und Titeln“ – man bemerke vor allem den Kyriostitel und dessen Verweise in der Apg (321). Da Jesu Präsenz Zeit- und Raumgrenzen übersteige, sei er auch im Leben der Rezipienten der Apg präsent. Zum Schluss stellt L. Lukas als Ikonenmaler vor, der die Präsenz Christi und die Präsenz Gottes den Lesern vor Augen male. Der Autor „möchte seinen Adressaten die Augen öffnen, damit sie die Gegenwart dessen wahrnehmen, der auch ihren Weg begleitet“ (325). Die Monografie ist von ansprechenden Schaubildern, interessanten Tabellen und Diagrammen durchzogen. Am Schluss befinden sich eine ausführliche Bibliografie sowie sehr detaillierte Register.
L. arbeitet sich detailliert und sorgfältig am Text der Apg entlang und ist durch minutiöse Methodik (Narratologie) im lukanischen Erzählwerk verwurzelt. Die Autorin führt uns somit in die fortgesetzte Präsenz und Aktivität Christi, so wie Lukas sie uns vorstellt.
Dr. Benjamin Marx, Adelshofen
GND 1386811157
