Heinzpeter Hempelmann, Einführung in die Philosophie für Theologen, Band 2: Antike II: Stoa – Epikur – Pyrrhonische Skepsis. Aktualität und Bedeutung römischer Philosophie für die Gegenwart. Gießen: Brunnen 2026, 200 S., 22 €. ISBN 9783765591167.
Die von Heinzpeter Hempelmann eröffnete Buchreihe, von der das vorliegende Werk Band 2 ist, will einen Überblick über die Philosophiegeschichte bieten, einen Überblick freilich, der einen ganz speziellen Fokus hat: Es werden philosophische Probleme nur insoweit behandelt, wie sie in besonderer Weise Einfluss auf christliche Theologie genommen haben. Dabei geht Hempelmann von der durchaus plausiblen Voraussetzung aus, dass der christliche Glaube als „Resultat des in unterschiedlichen Welten das Evangelium wirkenden Heiligen Geistes“ in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche denkerische Gestalten annimmt. Es ist daher durchaus hilfreich für Theologie, sich kritisch mit den philosophischen Einflüssen auseinanderzusetzen, die durch Aufnahme oder Abwehr zur Formung verschiedener Gestalten von Theologie beigetragen haben.
Dabei werden in diesem Band nach einem sehr kurzen Blick auf den Neuplatonismus (28–31) die drei Hauptströmungen römischer Philosophie behandelt: Die Stoa (37–89), der Epikuräismus (90–156) und die pyrrhonische Skepsis (157–174).
Dabei folgt auf die Darstellung der jeweiligen Position eine kritische Reflexion etwaiger Einflüsse auf die Theologie, Anfragen an die jeweilige philosophische Denkrichtung und auch die Frage, welche vergangene oder aktuelle Bedeutung ihr heute für christlichen Glauben und evangelische Theologie zukommt. Dabei ist Hempelmann um einen sachlichen und fairen Umgang mit den philosophischen Ansätzen bemüht. Seine Überlegungen sind gut nachvollziehbar und – zumindest aus meiner Sicht – im Allgemeinen überzeugend.
Den Abschluss bilden einige Überlegungen zu der Frage, was dazu geführt haben könnte, dass sich das Christentum in der antiken Welt so verbreiten konnte. (175–185) Hempelmann lässt sich dabei stark inspirieren von der These Hossenfelders, dass entscheidend für die Durchsetzung des Christentums die Tatsache gewesen sei, „daß im spätantiken Denken die Philosophie, verstanden als Erkenntnis der wahren Struktur des Seienden, ihren Anspruch, Weg zur Glückseligkeit zu sein, aufgeben mußte und dadurch die Stelle freigab für die christliche Glaubenslehre.“ Mich hat diese Interpretation zwar nicht überzeugt, sie ist aber auf jeden Fall ein interessanter und diskussionswürdiger Ansatz.
Da das Buch als Lehrwerk zum Gebrauch im Unterricht oder zum Selbststudium gedacht ist, werden neben einer allgemeinverständlichen Darstellung und Diskussion weitere Hilfen angeboten:
Längere Originaltexte, die die philosophische Position präsentieren und eine erste unmittelbare, selbständige Beschäftigung ermöglichen und damit auch die Möglichkeit bieten, die Darstellung im Buch zu überprüfen oder zu vertiefen; kürzere Texte in Kästen, die den Text begleiten und die Funktion von Belegen der Aussagen im Text haben, aber auch dazu reizen sollen, sich auf die Quellen mindestens ansatzweise und ohne großen Aufwand einzulassen; Aufgaben, die zu einer methodischen Auseinandersetzung anleiten können und für privates Studium, aber auch für Fachveranstaltungen eine kleine didaktische Hilfe sein können; Literaturhinweise, die bewusst knapp gehalten sind und nur einen ersten Weg weisen sollen. Darüber hinaus gibt es begleitende Podcasts, die die Darstellung im Gespräch verflüssigen und einen noch niederschwelligeren Zugang bieten.
Es gibt, soweit ich sehen kann, im deutschen Sprachraum kein vergleichbares Werk. Das Buch füllt damit eine Lücke in der theologischen Literatur und ist didaktisch gut aufbereitet. Ich befürworte daher das Anliegen, einen Druckkostenzuschuss zu gewähren.
Dr. Ralf-Thomas Klein, Gießen
GND 1025952898
