Ralph Kunz; Henning Wrogemann (Hrsg.): Mis­sion in Crisis. The Church’s Unfinished Home­work (MuK 5)

Ralph Kunz; Henning Wrogemann (Hrsg.): Mis­sion in Crisis. The Church’s Unfinished Home­work (MuK 5), Leipzig: Evangelische Ver­lagsanstalt 2024, 228 S., 48 €. ISBN 337 4075770.

Der vorliegende Band enthält die Beiträge einer gleichnamigen internationalen Konferenz, die im Herbst 2022 an der Universität Zürich als Gemeinschaftsprojekt von praktischer und interkultureller Theologie abgehalten wurde. Die Beiträge sind unter zwei Überschriften versammelt: “Limits and Chances of Church Mission in the German-Speaking World” sowie der geweitete Blick unter der Fragestellung “Mission in Crisis – A Global Phenomenon?”

Im Folgenden können nur wenige Beiträge skizziert werden: 

Der Titel des Beitrags von Ralph Kunz ist vielsagend: “Why are Folk Churches Afraid of Mission” (17) Er analysiert, dass die Kirchen trotz zahlreicher Reformen an ihrem Status quo festhalten und keinesfalls als Sekte wahrgenommen werden wollen. Konzise benennt er das Hauptproblem: “The hindrance to mission does not originate from the external world but rather within the church itself.“ (27) Kunz bringt den Vorschlag ein, Volkskirche neu zu definieren: Als eine Kirche der Menschen, die weiterhin öffentlich auftritt und sich für das Gemeinwohl engagiert, und besonders vertiefende Formen von Spiritualität und Gemeinschaft fördert.

Philipp Bartholomä geht in seinem Beitrag der Frage nach, ob klassische Freikirchen im deutschsprachigen Raum missionarisch mehr Erfolg haben als ihre landeskirchlichen Pendants. Kritisch bemerkt Bartholomä, dass die Anzahl derjenigen, die in Freikirchen zum Glauben kommen lediglich “quite manageable” (64) sei. Daraus folgert er, dass sich Freikirchen dem Trend der evangelischen Landeskirchen nicht entziehen könnten. Selbst moderat wachsenden Freikirchen hätten mit der wachsenden Bevölkerungsgruppe, die „deeply unchurched“ (ebd.) ist, ihre Probleme. Des Weiteren richtet Bartholomä den Blick auf russland-deutsche Aussiedlergemeinden, die im begrenzten Rahmen Wachstum vorweisen können und mit einer Minderheitensituation vertraut seien. Abschließend werden aus der eigenen Forschung Bartholomäs kommend 5 Faktoren benannt, die Konversionen im säkularen Umfeld erleichtern würden. Diese entsprächen zu einem großen Teil den Erkenntnissen der Stuttgarter Gottesdienst- und Gemeindestudie: “missional passion, changed mentality, deliberate and meaningful relationships with non-Christians, sensitive Worship services towards those who have not yet embraced the faith, an atmosphere of warm acceptance and hospitality.” (74)

Ausgehend von seiner Beobachtung, dass nicht nur Kirchen, sondern auch weitere große Institutionen und etablierte Organisationen wie Medien oder Gewerkschaften unter den Einflüssen von Individualisierung leiden, erörtert Stefan Paas: “There is a lack of a comprehensive narrative explaining why Christianity exists on earth at all.” (121) Er empfiehlt eine doppelte Haltungsänderung, bei der andere Menschen eher als Wegbegleiter denn als Zielgruppe wahrgenommen werden und deshalb primär Begegnung statt Belehrung angebracht sei. Mission ist für Paas „the ministry of reconciliation“ (125). Er plädiert für eine Priorisierung der Frage, wie ein christliches Narrativ sowohl lebensnah als auch präsent in der Gesellschaft verankert werden könne.

Stefan Schweyer stellt die Frage, wie eine konversionsfreundliche Sozialform von Kir­che aussehen könnte. Ausgehend vom Hy­brid-Modell von Kirche (Hauschildt/Pohl-Pa­talong) führt Schweyer diese Konzeption zu einer “church as a relational network” (203). Dabei ließen sich die Dynamik der Bewegung, Stabilität der Mitgliedschaft der Organisation sowie die Gelassenheit der Institution verbin­den. Schweyer betont die Chancen in der ge­genwärtigen Lage der Kirche: “to shape the gos­pel in a new and authentic matter.” (205)  

Fazit: Ein lesenswerter Tagungsband, der die im akademischen Diskurs – leider häufig – ignorierten missionswissenschaftlichen Fragen, erinnert, diskutiert und weiterführt. 

Studienassistent Andreas Schmierer, Tübingen,

GND 1170964257

erschienen in: ThBeitr 56, Heft 25–3