Judith König: Die basileia tou theou im Markusevangelium. Erzählstrategien und eine Her­meneutik der Körperlichkeit

Judith König: Die basileia tou theou im Markusevangelium. Erzählstrategien und eine Her­meneutik der Körperlichkeit (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, 2. Rei­he), Tübingen: Mohr Siebeck 2024, 400 S., 119 €. ISBN 978-3-16-162330-1.

Judith Königs Monographie untersucht die basileia tou theou im Markusevangelium aus einer narrativen und hermeneutischen Perspektive. Die Arbeit, die auf ihrer 2022 an der Universität Regensburg eingereichten Dissertation basiert, kombiniert klassische exegetische Methoden mit narratologischen und hermeneutischen Ansätzen, insbesondere einer „Hermeneutik der Körperlichkeit“.

Das Werk ist in drei Hauptteile gegliedert. Im ersten Teil (Gegenstand und Methode der Untersuchung) führt König in die Thematik ein und erläutert ihre methodischen Grundlagen. Sie betrachtet das Markusevangelium als episodische Erzählung und verfolgt einen synchronen Zugang. Besonders innovativ ist ihre Perspektive auf Körperlichkeit als hermeneutischen Schlüssel zur Interpretation der basileia.

Der zweite Teil (Die basileia tou theou im Markusevangelium) bietet eine detaillierte Exegese aller relevanten Stellen. König untersucht unter anderem Mk 1,14–15 (die Ankündigung des Reiches Gottes), Mk 4,1–34 (die Gleichnisse vom Wachsen der Saat) und Mk 10,13–27 (die Jüngerfrage). Ihre Hauptthese lautet, dass das Reich Gottes im Markusevangelium nicht nur als abstraktes theologisches Konzept erscheint, sondern durch körperliche, räumliche und sinnliche Erfahrungen konkret erfahrbar wird.

Im abschließenden dritten Teil (Schlussbetrachtungen) fasst sie ihre zentralen Ergebnisse zusammen. Sie plädiert für eine stärkere Berücksichtigung körperlicher Aspekte in der Reich-Gottes-Forschung und betont die Bedeutung sinnlicher Wahrnehmung für das Verständnis der basileia.

Königs Analyse zeichnet sich durch eine interdisziplinäre Methodik aus, die narrative, semiotische und hermeneutische Perspektiven integriert. Sie argumentiert, dass das Markusevangelium das Reich Gottes nicht nur verkündet, sondern performativ inszeniert. Dies zeigt sich etwa in Heilungserzählungen, Berührungen oder Bewegungen der Erzählfiguren.

Ein weiteres zentrales Ergebnis ist Königs Kritik an der bisherigen Reich-Gottes-Forschung, die den narrativen Charakter des Markusevangeliums oft vernachlässigt. Sie weist überzeugend nach, dass sich die Vorstellung vom Reich Gottes nicht isoliert, sondern nur im Kontext der Gesamtstruktur des Evangeliums deuten lässt.

Besonders hervorzuheben ist die methodische Klarheit der Arbeit. Die Verbindung von narrativer Exegese mit Körperlichkeitshermeneutik eröffnet neue Deutungsräume und trägt zu einem differenzierteren Verständnis der basileia bei. Die detaillierte sprachliche und strukturelle Analyse der markinischen Texte ist ein weiterer Pluspunkt der Studie.

Dennoch gibt es einige kritische Punkte. Erstens bleibt die traditions- und redaktionsgeschichtliche Verortung des basileia-Begriffs etwas im Hintergrund. Während König überzeugend darlegt, wie das Markusevangelium die basileia narrativ ausgestaltet, fehlt eine tiefere Diskussion über die historischen Wurzeln des Konzepts. Zweitens könnte die Differenzierung zwischen metaphorischen, narrativen und re­alen körperlichen Elementen klarer herausge­arbeitet werden.

Königs „Die basileia tou theou im Markus­ev­an­ge­lium“ ist ein innovativer Beitrag zur Mar­kus- und Reich-Gottes-Forschung. Ihre Kom­bination aus narrativer Exegese und Kör­perlichkeitshermeneutik eröffnet neue Per­spektiven und fordert zur weiteren Diskus­sion heraus. Trotz kleinerer methodischer Schwächen bleibt die Arbeit eine wertvolle und sorgfältig argumentierte Studie, die insbesondere für Forschende mit Interesse an narrativer Bibelwissenschaft von großer Relevanz ist.

Simeon Redinger (M. A.), Bergisch Gladbach

GND 1372586288

erschienen in: ThBeitr 56, Heft 25–5